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Aus der Apostelgeschichte (16, 12-15)

In jener Zeit gingen wir nach Philippi, eine führende Stadt des Bezirks von Mazedonien. In dieser Stadt hielten wir uns einige Tage auf. Am Sabbat gingen wir durch das Stadttor hinaus an den Fluss, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten. Wir setzten uns und sprachen zu den Frauen, die sich eingefunden hatten. Eine Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; sie war eine Gottesfürchtige und der Herr öffnete ihr das Herz, so dass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte. Als sie und alle, die zu ihrem Haus gehörten, getauft waren, bat sie: Wenn ihr wirklich meint, dass ich zum Glauben an den Herrn gefunden habe, dann kommt in mein Haus und bleibt da!

Aus dem Evangelium nach Markus (9, 2-10)

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose, und sie redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen. Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgend jemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Dieses Wort beschäftigte sie; sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.

Predigtgedanken

Petrus, Jakobus und Johannes, diese drei nimmt Jesus also mit auf den Berg Tabor, den Berg der Verklärung - nur sie allein, heißt es. Sie waren wohl seine engsten Vertrauten aus dem Kreis der zwölf Apostel und allesamt Männer. Warum, so können wir uns fragen, hat Jesus nicht wenigstens eine Frau mit auf den Berg genommen, an dem es immerhin einen Vorgeschmack gab auf das, was wie ein Moment der Glückseligkeit sein musste für jeden, der diesen besonderen Augenblick miterleben durfte?

Nun, auch Jesus war wohl ein Kind seiner Zeit. Er fühlte sich wohl tatsächlich zuerst nur zu den Angehörigen des Volkes Israel gesandt. Und da stand die Zahl 12 nun einmal für die 12 Stämme Israels. Und diese wiederum standen für alle, zu denen sich Jesus gesandt wusste. Aber Jesus ahnte mit der Zeit, dass seine Botschaft von der Menschenfreundlichkeit Gottes allen Menschen verkündet werden müsste, diese Botschaft vom Reich Gottes, dessen Keimen und Wachsen all die Menschen ahnen, erspüren und erleben, die fähig sind zu lieben.

Kein Wunder, dass im weiteren Jüngerkreis sich sehr viele Frauen befanden - die einen früher, die anderen später - die auch namentlich genannt werden. Maria etwa, die Mutter Jesu, gehörte dazu, auch Maria, die Frau des Klopas, und natürlich Maria Magdalena, die schon in der frühen Zeit der Kirche „Apostolin“ genannt wurde und die diesen Titel erst durch Papst Franziskus wieder zurück erhielt. Dreimal „Maria“ - kein Wunder also, dass die Bewegung, die zur Zeit wieder von sich Reden macht, den Namen trägt „Maria 2.0“.

Aber auch viele andere Frauen spielten im Leben der ersten christlichen Gemeinden eine wichtige Rolle. In der Lesung etwa wird uns von Lydia berichtet, einer engagierten Frau aus der Stadt Philippi. Der Apostel Paulus ist auf seiner zweiten Missionsreise, die ihn von Asien nach Europa führt, in Philippi, in Mazedonien gelandet. Philippi war eine römische Kolonie mit verschiedenen Religionen, mit Anhängern und Anhängerinnen griechischer, römischer und mazedonischer Kulte.

Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte, nennt dabei übrigens all jene, die mit dem jüdischen Glauben sympathisierten, „Gottesfürchtige“. In Philippi stieß Paulus auf eine Gruppe von Frauen, die sich unter freiem Himmel an einem Fluss zum Gebet versammelt hatten. Unter ihnen war auch Lydia. Ihr Name besagt, dass sie aus Lydien stammte, einer Landschaft in Kleinasien, also in der heutigen Türkei. Lydia handelte mit Purpur, dem teuersten Stoff überhaupt. Sie war sicher sehr wohlhabend und als Unternehmerin eine finanziell unabhängige Frau und Herrin im eigenen Haus. Von ihr ging es aus, dass alle im Haus sich taufen ließen. Sie lädt Paulus und seine Begleiter ins Haus ein, zu ihr kommen sie auch nach ihrem Gefängnisaufenthalt, um sich zu verabschieden. Lydia übernimmt hier die Rolle, die in der römischen Familie dem Familienvater zusteht. Sie hat auch die Leitung der neuen christlichen Hausgemeinschaft. In solchen Häusern trafen sich nun die christlichen Verwandten, Nachbarn und Freunde. So entstand Hauskirche, so entstanden kleine christliche Gemeinschaften. 

In Bolivien, dem diesjährigen Schwerpunktland der MISEREOR-Fastenaktion, gibt es wie in allen lateinamerikanischen Ländern schon seit langem solche Basisgemeinden, die ganz oft von Frauen geleitet und koordiniert werden. Die Menschen teilen darin Glauben und Leben miteinander. Da beginnen Menschen, die Befreiungsgeschichten der Bibel ernsthaft ins Leben zu übersetzen. Die Bibel bekommt politische und gesellschaftliche Sprengkraft. Das aber geht nur im Miteinander derjenigen, die sich im wahrsten Sinne des Wortes von der Bibel anstiften lassen zum Leben, im Miteinander also von Frauen und Männern. Und wer weiß? Heute hätte Jesus wohl auch ein oder zwei Frauen mit auf den Berg der Verklärung genommen. Berührt vom großen Geheimnis der Liebe Gottes, hätten sie dann vielleicht schon früher einen gleichberechtigten Platz in der Kirche erhalten. Aber ich will nicht träumen, sondern lieber mithelfen, dass das endlich nachgeholt wird.

Ihr und Euer Pfarrer Georg Klar 

Noch ein Text zum Nachdenken

Verklärung - der Blick in Gottes Zukunft >>>

In unserer Kirche, im Morgen,
wird das Wort Jesu nicht nur verkündet,
sondern auch gelebt.
Da wird der Mensch,
jeder so, wie er ist, geliebt. 

Da wird getanzt und gelacht und gefeiert.
Da wird das Brot geteilt und das Leid.
Da wird der Wein geteilt und die Freude.

In dieser Kirche, im Morgen,
da siegen Mut und Liebe,
da siegen Barmherzigkeit und Mitgefühl
über Angst und Machtgier,
über Ausgrenzung und Selbstmitleid.

In dieser Kirche, im Morgen,
da sind Frau und Mann,
Kind und Greis, arm und reich,
gebunden und ungebunden,
zusammen und nicht allein.

Willkommen also an jedem Ort
und willkommen in jeder Berufung.
Willkommen als lebendiger Widerschein
von Gottes liebendem Blick…!

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