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am 2. März 2014

Ihr lieben Brüder, liebe Schwestern, 

dreht schnell den Kopf in Richtung Westen.
Ich komm von hinten in dies Haus,
wo ihr stets gehet ein und aus.

Faschingszeit ist ausgebrochen,
bringt die ganze Welt zum Kochen,
Alt und Jung und Groß und Klein!
So ist’s gut, so muss es sein!

Ihr alle, die ihr heut gekommen,
die Lauen grad so wie die Frommen,
die Kleinen grad so wie die Großen,
die in den Röcken, in den Hosen,

die angemalt sind und maskiert,
mit Schmuck und Federn sind verziert,
doch auch die andern – ganz Normale –
willkommen hier im Kirchensaale!

Zur Frohen Botschaft passend, Leute,
hab ich mich auch verkleidet heute,
ich komm als Franz, Franziskus gar
der von Assisi, ist doch KLAR.

Da seh’ ich ja auch manche Brüder;
Welch Ähnlichkeit, da legst di nieder!
Die Kutte, Horst, sie steht dir gut!
Hab für dein Amt stets frohen Mut!

Und wenn ich anschau dieses Haus,
dann fühl ich mich doch gleich zuhaus.
Wenn ich dies seh’, wird mir nicht bang,
s’ist wie in jenem Lobgesang,

in jenem Lied, das ich geschrieben,
das kennt ihr doch, ihr meine Lieben,
das Lied, das lobt Natur und Sonne,
die ganze Schöpfung – eine Wonne.

Laudato sí – so singt ihr heute,
das stammt von mir, ihr lieben Leute!
Doch all das, was wir sehen hier,
das haben zu verdanken wir

der Frau, die Phantasie und Stil
vereint zu einem hohen Ziel:
den guten, großen Gott zu preisen,
sie zählt noch nicht zum alten Eisen.

Cornelia, ich bin entzückt,
wie du die Kirch’ für heut’ geschmückt.
Die Vögel, Falter und die Blüten,
die Schöpfung, ja, die muss man hüten!

Ich möcht’ grad heut in diesen Tagen
dir wieder einmal „Danke“ sagen
für alles, was du für uns tust,
für alles, wo du niemals ruhst,

die Schönheit Gottes bringst uns nah –
das alles ist so wunderbar...!
Drum soll Applaus jetzt von uns allen
dir bis ins Herz hinein erschallen...!

Und weil wir grad bei Schwestern sind,
das weiß ja nun schon jedes Kind.
Ihr habt’s gehört mit Sicherheit,
denn davon sprechen alle Leut:

Dass Rafaela muss bald gehen,
sie ist für Würzburg ausersehen.
Wir konnten’s leider nicht verhindern,
sie darf grad hier noch überwintern,

doch Ende März ist es so weit,
erfüllt uns all mit Traurigkeit.
Dann ist sie weg nach sieben Jahren,
wie glücklich wir doch mit ihr waren...!

Oh, Schwester Rafaela mein,
ich weiß, auch du wirst traurig sein!
Doch hilft klein Klagen und kein Beben.
Wir wünschen dir von Herzen Segen!

Der einzig Trost auf dieser Welt:
es wurde ein Ersatz gestellt!
Imtrudis heißt die neue Nonne.
Bereitet ihr viel Freud’ und Wonne!

Sie wohnt jetzt schon im Schwesternhaus,
sie soll sich fühlen hier zuhaus.
Nehmt unsre neue Schwester auf,
ihr macht’s gewiss, da wett ich drauf!

Und dir, Irmtrudis, will ich sagen,
denn aus Erfahrung kann ich’s wagen
in Oscheff bei so lieben Frommen:
Wir alle heißen dich willkommen...!

Nimm immer Maß an Gottes Wort,
der Frohen Botschaft hier am Ort.
Gerade heute spricht es doch
von jener Freude, himmelhoch

die Schöpfung preisend und das Leben,
das unser Gott uns einst gegeben,
doch nicht, dass wir uns Sorgen machen
oder mit andern gar verkrachen.

Dies Evangelium will ja nun
bestimmen auch der Christen Tun,
und nicht nur damals, sondern heute
erreichen alle Christenleute.

Drum wenn in diesen Narrentagen
die Menschen helle Freude wagen,
wo oft das Böse diese Welt
so fest in seinen Fängen hält:

Es gibt doch Grund für Fröhlichkeit
und noch viel mehr für Menschlichkeit.
Leben und auch leben lassen,
wenn das gilt auf unsern Straßen,

wird es bunt um uns herum,
alles andre wär’ doch dumm.
Das wünsch ich unsrer Kirche heute,
damit ihr nicht verzweifelt, Leute!

Wir wollen keinen Menschen missen,
wirklich alle sollen’s wissen,
dass sie all, so wie sie sind,
hier bei uns willkommen sind.

Jedermann mit seinen Gaben,
auch mit seinen offnen Fragen,
er soll sich fühlen hier zu Haus,
wo Menschen gehen ein und aus.

Da fällt mein Blick auf die Figur,
sie zeigt wohl mich, so denk ich nur
und find, ich bin ganz gut getroffen,
mit einem Lächeln, menschlich offen.

Stets fröhlich kannten mich die Brüder,
und sangen mit mir frohe Lieder.
Ich war dem Scherz nie abgeneigt,
und strahlte aus viel Fröhlichkeit.

Ein Fastnachtscherz schien es fürwahr,
am Rosenmontag letztes Jahr,
nach eures Pfarrers Büttenrede
Papst Benedikt die Welt verdrehte.

Er trat zurück, das war ganz neu,
ein Papst mit Mut, der sonst ganz scheu.
Man sieht, manch Büttenpredigtrede,
die kann sogar den Papst bewegen.

Dann kam gewiss der Heil’ge Geist
ganz ausnahmsweis’ nach Rom gereist.
Er sagt der Kardinäle-Schar:
„Nichts darf so bleiben, wie es war!“

Und Papst Franziskus auferstand,
bis dato war er unbekannt.
Doch dass er meinen Namen wählt,
macht ihn sympathisch aller Welt.

Und auch mit euerm Pfarrer Klar
hat er gemeinsam doch fürwahr
den ersten Namen in der Tat,
wohl dem, der diesen Namen hat.

Denn „Jorge“ war des Neuen Name,
ganz offenbar nach Gottes Plane:
Georg, Drachentöter, sein Patron.
Man ahnte offenbar es schon:

Muss gegen finstre Mächte kämpfen,
er soll die Kardinäle dämpfen,
damit die Kirche Zukunft hat,
denn die war ja schon fast ganz platt.

Doch das ist wichtig, denkt daran,
ein Leben gab’s vor’m Vatikan,
für den Bergoglio, Jesuit,
der war als Bischof schon ein Hit.

Erst Techniker im Fach Chemie,
maß Inhalt er, wovon, wie viel.
Die Chemie, die muss halt stimmen,
will die Menschheit man gewinnen!

Er kennt das Leben, dieser Papst,
wie keiner vor ihm, in der Tat.
Auf dem Balkon vom Petersdom
da überraschte er ganz Rom.

Erschien ganz schlicht im weißen Kleid,
das Lächeln im Gesicht ganz breit.
Das Volk, es wartet auf den Segen,
doch auf der Loggia tut sich’s regen.

Franziskus hat das Volk gebeten,
doch erst einmal für ihn zu beten.
Die Überraschung’ gehen nicht aus:
der Papst, er wohnt im Gästehaus,

und nicht im päpstlichen Palast,
weil das doch gar nicht zu ihm passt.
Er meint, er wär’ dort sehr allein,
will lieber unter Menschen sein.

Franziskus will damit wohl zeigen:
Ein andrer Lebensstil ist eigen
dem Menschen, der ein Christ sein will,
dem Christen, der ein Mensch sein will.

Franz von Assisi hat’s gespürt,
einst, was uns heute noch berührt:
Er passte nicht in jedes Kleid,
bekannt ist seine Einfachheit:

Sandalen, Hose und ein Hemd.
Ihr merkt schon, wo die Kirch’ heut klemmt:
Tiara, Mitra, gold’ner Stab,
samt Ring und Titel und Gehab’.

Ich glaub’, dass ich das richtig sehe:
das tut doch keiner mehr verstehen!
Die Kirche sollte statt zu richten
auf Ämter, Titel, Pomp verzichten!

Wie weit wird es Papst Franz noch bringen?
Ich hoff’, es wird ihm noch gelingen,
dass mehr Bescheidenheit kehrt ein,
in Würzburg und in Köln am Rhein.

Franziskus’ Kampf in unsrer Zeit
gilt irdischer Dreifaltigkeit:
Das ist es, was zu oft noch zählt:
Macht und Beziehung und das Geld.

Hier hebt der Papst kraftvoll die Hand:
die Unmoral, sie wird verbannt.
Da hilft kein fauler Heil’genschein.
Ich hoff’, der Franz steht nicht allein.

An dem, was Kurie wird geheißen,
muss Franziskus sich beweisen.
Was sich da hat so breitgemacht,
war so von Jesus nicht gedacht.

Im Vatikan, könnt’ ihr’s versteh’n?
ist Unheil rundherum zu sehn’n.
Seilschaften von der schlimmsten Sorte
findet man am heil’gen Orte.

Doch Papst Franziskus, merkt nun auf,
er gibt der Kirche neuen Lauf.
Man spricht jetzt eine neue Sprache:
So leicht bringt man ihn nicht in Rage.

Er wendet sich den Themen zu,
die galten bisher als tabu:
Zur Liebe so von Mann zu Mann,
weil keinen er verdammen kann.

Er leiht Geschiedenen sein Herz,
macht zu Kondomen noch ’nen Scherz,
erkennt des Zölibates Mühen,
will lieber zu den Armen ziehen.

Weil er in Rom spricht frank und frei,
was klar die Richtung Jesu sei,
bekommen auch die andern Hirten
nun Mut, wo sie sich früher zierten.

Nun gut, nicht alle – weiß ich auch.
Zum Glück gibt es den schönen Brauch,
dass auch ein Bischof darf aufhören,
wo Bein, wo Kopf tun schwer im werden.

Dass Meissner darf nun endlich gehen,
da spürt man doch des Geistes Wehen.
Wie es mit Tebartz weitergeht,
das wohl noch in den Sternen steht.

Den Papst zu hören ist bequem.
Weit weniger als angenehm
ist es, nun diesem Papst zu folgen,
die Frohe Botschaft zu vergolden:

das Leben Jesu jetzt zu führen
und nicht die Staatskarossen schüren,
sich in allem zu begrenzen –
auch bei Bischofsresidenzen.

Ja, wenn man fragt nach Jesu Worten,
was er so wollt’, was draus geworden?
Der Weg vom Reden hin zum Leben
ist wahrlich weit und schwer zu leben!

Drum hört nun zu, ich herzlich bitte:
Franziskus sagt in unserer Mitte,
es einen neuen Aufbruch braucht,
damit die Kirche wirklich taugt.

Blickt in die Zukunft: wunderbar!
Fünf Finger zeigen’s an, fürwahr:
Denken – denken ist katholisch.
Freiheit – konsequent und logisch.

Gewissen – nicht mehr überflüssig,
die Basis – bleibt nicht länger müßig.
Evangelium – die erste Geige,
um es aller Welt zu zeigen:

Wer will vor Gott und Mensch bestehen,
muss ganz konkret das Leben sehen,
mit dem Jetzt sich arrangieren,
nicht den Glauben darf verlieren,

dass Gott doch in uns allen ist,
und die Seinen nicht vergisst.
Nichts muss bleiben, wie es war,
das ist uns längst sonnenklar!

Vor Gott sind alle Menschen gleich,
ob Prinz, ob Papst, ob arm, ob reich,
ob Bischof, Priester, Mann und Frau –
fast sag ich da zum Schluss Helau.

Doch will ich etwas frommer enden
jedoch will ich das Blatt mal wenden:
ich lad‘ euch ein, ihr Herrn und Damen,
ruft ihr das letzte Wort! – Sagt: „AMEN!“


Georg Klar
Pfarrer St. Margaretha
Mainaschaff

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