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Aus dem Evangelium nach Matthäus (20, 1-16)

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten. Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin? So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.

Predigtgedanken

„Soziale Gerechtigkeit“ ist alle paar Jahre in unserer Gesellschaft in aller Munde - auch jetzt in dieser Corona-Zeit wieder, wenn es um die staatliche Unterstützung derer geht, die besondere Hilfe nötig haben. Der Staat bemüht sich, aber dennoch nimmt das Gefühl, nicht gerecht behandelt zu werden, weiter zu. Menschen klagen - manche sicherlich auf hohem Niveau, aber viele eben auch ganz zu Recht.

Und da gibt im heutigen Evangelium der Gutsherr, der natürlich für keinen Geringeren als für Gott selber steht, eben dem Mann, der nur eine Stunde gearbeitet hat, genauso viel wie dem, der elf Stunden geschuftet hat. Ist das denn nicht himmelschreiendes Unrecht? Gewerkschaften wären empört, Arbeitgeber müssten dumm sein. Gottes Wege sind wohl nicht unbedingt die Wege von Menschen und seine Gedanken anders als unsere manchmal kleinlichen, rechnenden und nachrechnenden Gedanken.

Vergessen wir nicht: Es war mit den ersten Arbeitern ein guter und sehr wohl gerechter Mindestlohn vereinbart, mit dem heute jeder Gewerkschaftler zufrieden gewesen wäre. Nur dass sich die Arbeiter beklagen, weil die anderen genauso viel bekommen, weil Gott so unendlich barmherzig gibt - das eben ist entlarvend. Statt sich also zu freuen am eigenen Lohn und sich dann auch mitzufreuen am überraschenden Lohn der anderen, fallen sie in kleinliches Rechnen zurück und lassen die Unzufriedenheit in sich aufkeimen und an ihrer Seele nagen. Verständlich für uns, weil halt auch wir manchmal so denken. Und doch will dieser unser Gott nichts als verstanden werden in seiner überschwänglichen Güte.

Unser Papst Franziskus hatte in seinem Rundschreiben „Evangelii Gaudium“ geschrieben: "Nein zu einem Geld, das regiert, statt zu dienen. Geld muss dem Leben dienen und der Menschlichkeit!" Ob Franziskus etwa unser heutiges Evangelium vor Augen hatte? Dieses Evangelium lädt uns nun ein, diese so besondere Art des Himmelreiches mitten in dieser Welt schon anbrechen zu lassen, jeder von uns auf seibne und ihre Art und Weise.

Wir alle sind aufgerufen, Lebensumstände und Situationen zu schaffen, die mehr Gerechtigkeit unter den Menschen dieser Erde ermöglichen und die doch alle gleichzeitig einladen, persönlich doch ein wenig großzügiger zu sein. Das ist eine riesige Herausforderung. Denn klar ist doch: Wer Anderen Möglichkeiten im Leben zugesteht, verzichtet unter Umständen auf eigene Chancen. Die Bezahlung für bessere Lebensumstände der Einen könnte den Gewinn der Anderen mindern. Ja, diesen Verzicht muss man wollen. Und wer das will, schwimmt gegen den Strom. Üblich und normal ist das also keineswegs.

Mir fällt dabei das Bild von einer wippenden Schaukel ein: Es müssen an beiden Enden die Schaukelnden bereit sein, sich von der Erde und ihren manchmal engen Gesetzen loszulassen, sonst kommt die Wippe nicht ins Gleichgewicht. Es muss das Vertrauen wachsen, dass am Ende alle davon profitieren, wenn es allen gut geht. Das scheint mir wichtig und wesentlich. Und ein zweites: Einer muss immer damit anfangen, mit solchem Denken und mit solchem Handeln!

Überall dort, wo das Vertrauen in Solidarität wächst und wo die Angst, auf der Strecke zu bleiben, schwindet, genau dort wächst jene Gerechtigkeit von Gottes Art. Das aber wird wahrscheinlich nicht unbedingt an der Spitze eines Konzerns beginnen, das wird auch kaum durch eine staatliche Ordnung vorgegeben werden können. Das kann nur geschehen, wo einzelne Menschen sich in ihren Kreisen dazu entschließen, die Frohe Botschaft vorzuleben. Wir sind eingeladen, noch heute damit zu beginnen, in unserem Leben, in unserer Gemeinde - mit Gottes Hilfe.

Ihr und Euer Pfarrer Georg Klar

Noch ein Text zum Nachdenken

Gott oder Mammon?
Wegschauen gilt nicht!
Worte von Antoine de Saint-Exupéry >>>

Was ich am tiefsten verabscheue,
das ist die traurige Rolle des Zuschauers,
der unbeteiligt tut - oder ist.

Man sollte nie zuschauen.
Man sollte immer Zeuge sein,
mittun - und Verantwortung tragen.

Der Mensch ohne Verantwortung
zählt nicht.
Der Mensch mit Verantwortung und Liebe
zählt alles.

 

2020 09 16 WochenMitteImpuls Diakon Stefan Gehringer 1

Begrüßung und Einführung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Der gute und treue Gott, er sei mit euch...! Nehmt noch einmal einen Augenblick Platz...!

Meine lieben Buben und Mädchen, liebe Schwestern und Brüder! Ganz herzlich darf ich Euch und Sie alle heute zum Gottesdienst begrüßen. Auch wenn manch größere Reise im Corona-Jahr nicht möglich ist, so machen sich dennoch viele in diesen Tagen und Wochen auf den Weg in den Urlaub - manche mit dem Auto oder mit dem Zug, andere mit dem Flugzeug und einige wenige auch mit dem Schiff oder einem Boot.

Um eine Bootsfahrt geht es auch im heutigen Evangelium, aber nicht in den Urlaub, sondern es geht darum, hinauszufahren auf das Meer unseres eigenen Lebens und unser Vertrauen in Gottes Führung wieder neu stärken zu lassen, gerade in den Stunden der Not. Denn geben wir es ruhig zu:

 

Solange es uns Menschen gut geht, fällt es uns leicht zu glauben. Kommen jedoch Schicksalsschläge, Krankheit und Not wie diese Corona-Krise auf uns zu, dann kommt unser Glaube ins Wanken. Aber eine Krise kann eben auch eine Chance sein. Die Dichterin Gertrud von Le Fort hat es einmal auf den Punkt gebracht, als sie schrieb: „Die Krise ist das Einfallstor Gottes." Denn in Krisen wird deutlich, woran der Einzelne sein Leben festgemacht hat und was ihn durch die Krise hindurch trägt.

Dieser Gottesdienst heute will uns ermutigen: Gerade in Not und Dunkel, in den Unsicherheiten und Zweifeln dürfen wir glauben und vertrauen, dass unser guter Gott mit uns ist. Rufen wir ihn im Kyrie an um sein Erbarmen für uns selbst und auch für Familie  Vorbornik, die um ihren Verstorbenen trauert, um Ernst Vobornik, für den wir heute das Requiem feiern. Und dazu stehen wir...!

Bußakt und Kyrie

Du bist bei uns, wenn es im Alltag drunter und drüber geht.
Manchmal aber verlieren wir in Hoffnungslosigkeit und Angst
den Boden unter den Füßen.  
Dann wollen wir schreien: Herr, rette uns!
So rufen wir zu dir: Kyrie eleison...

Du bist bei uns, wenn wir lachen und wenn wir weinen.
Manchmal aber versinken wir in einer Flut von Pflichten
und von Erwartungen anderer Menschen an uns.
Dann wollen wir schreien: Herr, rette uns!
So rufen wir zu dir: Christe eleison...

Du bist bei uns, wenn uns Dinge gelingen,
aber auch, wenn wir etwas nicht schaffen.
Doch manchmal fühlen wir uns im Stich gelassen.
Dann wollen wir schreien: Herr, rette uns!
So rufen wir zu dir: Kyrie eleison...

Es erbarme sich unser der treue und lebendige Gott, er nehme alles von uns weg, was uns hindert, ihm und seiner Liebe zu vertrauen. Er führe uns zur Fülle des Lebens. Amen.

Tagesgebet

Guter und treuer Gott,
als deine Gemeinde sind wir hier versammelt.
Oft bläst uns im Alltag ein kräftiger Wind entgegen
und es ist für uns selbst und für unsere Kirche nicht einfach,
in den Stürmen unserer Zeit Orientierung zu finden.
Bei dir aber können wir uns geborgen fühlen,
denn bei dir finden wir Ruhe und Halt.
Sei du in unserer Mitte, wenn wir miteinander singen und beten, wenn wir auf deine Worte hören und miteinander Mahl halten.
So bitten wir dich durch Jesus Christus für Zeit und Ewigkeit.
Amen.

Predigtgedanken

Trauernde Angehörige, meine lieben Schwestern und Brüder! Wir könnten es selbst erfahrenen Fischern zugestehen, dass sie sich nach einem solchen Sturm wie dem im Evangelium sagen: „Nie wieder hinaus auf den See!“ Ähnlich geht es heute wohl manchen Christen, die nach vielen Frustrationen unsere Kirche enttäuscht verlassen haben oder noch verlassen möchten, die zumindest ihre Fahrt auf das Meer des Lebens nicht mehr mit dem Boot der Kirche machen wollen, und anscheinend auch nicht mehr mit dem Schiff, das sich Gemeinde nennt.

Früher hieß es einmal: „Extra ecclesiam nulla salus! - Außerhalb der Kirche kein Heil!“ Heute suchen viele Menschen ihr Heil ganz bewusst außerhalb der Kirche. Fast scheint es so, als ob das Bild, das wir kennen, das Bild vom schlafenden und doch treuen Jesus im Boot der Jünger, dass eben dieses Bild abgelöst würde durch ein anderes Bild im heutigen Evangelium, nämlich durch das Bild der verlassenen Jüngerschaft im Boot und von dem Jesus, der sich außerhalb des Bootes finden lässt von dem, der es wagt, das Boot zu verlassen. Kann das denn ein Bild von Kirche sein? Lässt sich Christus und sein Reich der Liebe etwa außerhalb der Kirche besser finden? Das wäre für mich ein sehr trauriger Gedanke. Aber dass solche Fragen mich und unsere Kirche umtreiben wie ein Sturm auf offener See, das ist nur zu verständlich.

Nehmen wir einmal das zentrale Wort des heutigen Evangeliums in den Blick: „Habt Vertrauen!“ Das ist kein billiger Satz im Sinn von: „Macht nur weiter so! Ihr braucht nichts zu ändern! Ihr braucht nicht nachzudenken über den Weg der Kirche in eine gute Zukunft!“ - und schon gar nicht in dem Sinn von manchen Kreisen in der Kirche, die da sagen: „Ach, werft doch die Kritiker einfach über Bord! Und all jene, die an der katholischen Kirche etwas auszusetzen haben, die sollen halt evangelisch werden!“ So ist das Wort Jesu mit Sicherheit nicht gemeint. Es mag wohl eher bedeuten: „Legt um Himmels willen nicht die Hände in den Schoss, aber - verliert dabei auch nicht den Kopf!“

Ein Punkt jedoch macht mir als Pfarrer in der Tat Sorge, und dieser Punkt macht die Fahrt der Kirche durch die aufgewühlten Wogen unserer Zeit so gefährlich: Die Mannschaft rund um den Steuermann unserer Kirche auf der einen Seite und die vielen, vielen Passagiere auf der anderen Seite sind sich schon lange nicht mehr einig, was die Route und was das Ziel anbelangt.

Ich glaube, wir müssten noch viel mehr reden, in unserer Kirche und auch in unserer Gemeinde Sankt Margaretha, nicht so sehr  übereinander, sondern vielmehr miteinander, wohin wir wollen, wovon wir träumen, was uns antreibt und begeistert, was uns ängstigt und Sorgen macht.

Unsere Gemeinde St. Margaretha, in der so viele unterschiedliche Menschen leben, unterschiedlich nicht nur ihrer Herkunft nach, sondern auch unterschiedlich in ihren Bildern von Gemeinde und Kirche, vom Christsein und von der Weitergabe des Glaubens, unterschiedlich in ihren Sehnsüchten und in ihren Träumen, was unsere Kirche angeht, diese unsere Gemeinde könnte und sollte für uns alle der Ort werden, an dem wir wagen aufzubrechen.

Dabei müssen wir wohl auch Abschied nehmen von allzu engen Bildern. Ja, Christus sitzt mit uns im Boot - das ist ein Bild. Aber ein anders Bild ist genauso richtig: er kommt auch von draußen auf uns zu, aus dem Sturm der Zeit, aus den Wellen des Lebens und sagt zu uns als Kirche, als Gemeinde: „Komm doch! Wage es doch, dich auf den Weg zu machen!“

Und dann wird er, weil er treu ist und weil er uns Menschen in unserer Menschlichkeit versteht, zu uns in Boot steigen, er wird die Wogen beruhigen und die Stürme des Lebens bändigen, er wird uns trösten und stärken auf dem Weg zum eigentlichen Ziel unserer Kirche und unserer Welt, dem Reich Gottes.

Auch wenn wir uns manchmal an der Kirche reiben, wir haben es in und mit der Kirche in der Hand, dieses Reich Gottes nicht nur zu erträumen, sondern schrittweise zu verwirklichen. Denn trotz ihrer Mängel verdanken wir dieser unserer Kirche unendlich viel.

Sie hat uns durch unsere Eltern und Großeltern, durch unsere Erzieherinnen und Lehrer, durch viele glaubende, hoffende und liebende Menschen die Worte und Taten Jesu bis zum heutigen Tag überliefert und bewahrt, selbst wenn sich die Autoritäten in der Geschichte der Kirche manchmal nicht daran gehalten haben.

Vor allem weist die Kirche uns und andere suchende Menschen darauf hin, woher wir kommen, worauf wir hoffen, wohin wir gehen. Das Leben, unser aller Leben, wäre sinnlos, gäbe es nicht diesen Dreiklang von Glaube und Hoffnung und Liebe, der einst zur großen festlichen Melodie im endgültigen Reich Gottes wird. Lassen wir Jesu Wort ganz an uns heran, ganz nah in uns hinein. Und lassen wir es nachklingen in unserer Seele, jenes Wort Jesu: „Hab Vertrauen und komm!“

Ein prominentes Beispiel solchen Vertrauens ist für mich immer noch unser Papst Franziskus. Er setzt immer wieder mutig neue und in diesem Amt auch ungewohnte Schritte. Er tut es nicht aus menschlichen Überlegungen oder gar aus Berechnung, sondern er ist von einem großen Gottvertrauen getragen, das sein tiefes Fundament erkennen lässt.

Es genügt jedoch nicht, nur Beobachter oder Bewunderer von Franziskus zu bleiben. Wir haben die Chance und Aufgabe, seine Nachahmer zu werden, wenn wir immer wieder die persönliche Begegnung mit Gott suchen und uns in das Vertrauen auf ihn einüben. Gerade die Ferienzeit ist dafür, so meine ich, eine gute Zeit. Amen.

Fürbitten

Du treuer Gott, in einer bewegten Zeit und manchmal auch recht stürmischen Welt bitten wir dich voll Vertrauen:

  • Wir beten um Vertrauen,
    damit wir uns in noch so stürmischen Auseinandersetzungen
    den Blick für das Ganze offen halten:
    Du treuer Gott...
  • Wir beten um Gelassenheit,
    damit wir uns in unserer Gemeinde und in unserer Kirche
    nicht zu voreiligen Entscheidungen drängen lassen:
    Du treuer Gott...
  • Wir beten um Entschlossenheit,
    damit wir uns nicht dem Druck der Masse beugen,
    sondern nur unserem Gewissen verantwortlich bleiben:
    Du treuer Gott...
  • Wir beten um Frieden,
    damit die Menschen dieser Welt zueinander finden
    und endlich Wege der Versöhnung gehen:
    Du treuer Gott...
  • Wir beten um Widerstand,
    wo im Namen Gottes Menschen ermordet werden,
    damit solche Verblendung endlich aufhört:
    Du treuer Gott...
  • Wir beten um Mut,
    damit wir klar und deutlich die Stimme erheben,
    wo die Würde von Minderheiten mit Füßen getreten wird:
    Du treuer Gott...
  • Wir beten um Zeiten,
    über die wir selber und ganz frei entscheiden können,
    damit wir zufriedene und herzliche Menschen bleiben:
    Du treuer Gott...

Herr, unser Gott, dir vertrauen wir neu unser Leben an, unsere Gaben und unsere Aufgaben, unsere Arbeit und unsere Freizeit. Begleite uns immer, heute und in Ewigkeit. Amen.

Gabengebet

Herr, unser Gott,
wir haben alles vorbereitet für das Mahl deines Sohnes:
ein Stück Brot mitten in den Stürmen des Lebens,
ein Schluck Wein wie ein ermunterndes Wort.
Schenk uns in beidem die Gegenwart Jesu,
der nicht nur Wind und Wellen zur Ruhe bringen kann,
sondern uns zurückfinden lässt zum Vertrauen in dich.
Und darum bitten wir dich auch durch ihn,
unseren Bruder und Herrn.
Amen.

Präfation

Ja, es ist würdig und recht, du treuer Gott,
dass wir dir danken und deine Größe preisen.
Du bist der Ursprung von allem, was da ist.
Als wir Menschen deine Liebe nicht mehr erkannten,
hast du uns deinen Sohn gesandt,
damit er uns deine Zuneigung aufs neue spüren lasse.
Durch ihn hast du uns gezeigt,
dass du auch Herr bist über alle Ängste und Unsicherheiten
und dass wir dir, dem Gott unseres Lebens, trauen können.
Denn er hat die Macht des Todes gebrochen
und uns zur Fülle des Lebens geführt.
Darum stimmen wir ein in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und singen mit allen Engeln und Heiligen
und mit allen Menschen guten Willens zu deiner Ehre...

Hochgebet

Ja, guter und treuer Gott, wir loben und preisen dich,
denn du begleitest unser Leben und das Leben deiner Kirche.
Wir bitten dich, sende deinen Geist herab über Brot und Wein,
damit Jesus + Christus in unserer Mitte gegenwärtig wird.

Er nahm an jenem letzten Abend vor seinem Leiden
das Brot in seine Hände, dankte dir,
teilte das Brot mit seinen Freunden und sprach:

Nehmt und esst alle davon,
das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.
Am Ende des Mahles nahm er den Kelch mit Wein,
dankte dir, reichte den Kelch seinen Freunden und sprach:

Nehmt und trinkt alle daraus,
das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes,
mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird
zur Vergebung der Sünden.
Tut dies zu meinem Gedächtnis!

Geheimnis des Glaubens:

Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,
und deine Auferstehung preisen wir,
bis du kommst in Herrlichkeit.

Ja, guter Gott, wir loben und preisen dich,
wir danken dir, dass du uns nahe bist.
Du hörst auf das Rufen deiner Kinder, wenn sie in Not sind,
du lässt uns niemals im Stich.
Immer wieder hast du dich deinem Volk zu erkennen gegeben,
du hast es stets deine Gegenwart spüren lassen.

In deinem Sohn bist du den Jüngern beigestanden,
als sie von den Wellen des Sees hin- und hergeworfen wurden.
Du hast ihr Vertrauen in dich gestärkt,
als Jesus ihnen zurief: Fürchtet euch nicht!
Petrus hat er seine rettende Hand entgegengestreckt,
als er aus Kleinglauben Angst bekam und zu versinken drohte.
So hat er sich seinen Jüngern als wahrer Sohn Gottes gezeigt.

Auch für uns bist du der feste Grund, auf den wir bauen können.
Auch uns streckst du deine Hand entgegen,
wenn wir in Gefahr sind und zu dir rufen: Herr, rette uns.
Wie spüren auch die tragende Gemeinschaft unserer Kirche,
die Gemeinschaft mit unserem Papst Franziskus in Rom,
mit unserem Bischof Franz in Würzburg
und mit allen Frauen und Männern,
die in unserer Kirche eine besondere Verantwortung tragen.

Auch mit allen, die uns vorausgegangen sind zu dir,
wissen wir uns verbunden über den Tod hinaus.
Wir denken besonders an Ernst Vorbornik,
für den wir heute das Requiem feiern,
und wir denken ebenso an Fritz und Else Schäfer,
an Karl Weis und verstorbene Angehörige,
an Wilhelm und Lothar Ruppert und Arnold Schott,
an Rosl und Otto Scheuermann
sowie an Alfred Wienand und Angehörige.
Führe sie alle zur Auferstehung und zum ewigen Leben.

Und wenn unser Weg auf dieser Erde einmal zu Ende geht,
dann nimm auch uns auf in dein Reich des Friedens,
wo Christus alles in allem sein wird.

Durch ihn und mit ihm und in ihm
ist dir Gott, allmächtiger Vater,
in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes
alle Herrlichkeit und Ehre,
jetzt und in Ewigkeit.
Amen.

Meditation nach der Kommunion

Ich möchte so gerne
über das Wasser dahinlaufen
wie du, Herr, und dein Freund Petrus.
Aber versucht habe ich es nie.

Es würde ein Wunder sein.
Doch ich habe nicht Augen und Ohren,
dich auf dem Wasser vor mir zu sehen
und dich rufen zu hören: Komm!

Wenn ich ein mutiger Jünger wäre
und mein Glaube nicht klein,
dann würde ich auf den Wellen tanzen
mitten hinein in die Stürme des Lebens.

Mit vielen bin ich ein kleines Stück Kirche
und wir alle setzen unser Vertrauen auf dich.
Schon zweitausend Jahre lang tanzt unser Boot
durch die brausenden Wogen der Zeit dahin.

Wir werden gerüttelt von Wellen und Wind.
Streck deine Hand aus und rette uns!
Und segne uns, deine Kirche,
damit sie niemals zugrunde geht.

Schlussgebet

Du ewiger und treuer Gott,
am Ende dieser Feier sagen wir dir Dank für die Gemeinschaft,
die wir erleben durften in dieser Stunde.
Lass uns diese Gemeinschaft auch im Alltag verwirklichen
und in vielen Menschen neues Vertrauen wecken.
Lass uns die Kraft dieser Stunde mitnehmen
auf die Fahrt hinaus ins Leben.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unseren Bruder und Weggefährten,
der uns ruft und der uns sendet
und der uns begleitet durchs Leben
bis zum Hafen deiner Ewigkeit.
Amen.

Segen

Seid in diesen Tagen des Sommers gesegnet,
in diesen Tagen der Ferien, des Urlaubs, der Freizeit,
um eure Seele baumeln zu lassen.

Seid gesegnet mit Freude, in der ihr lernt,
die Freizeit so zu genießen und die Feste so zu feiern,
dass dann euer Alltag teilhat an ihrer befreienden Kraft.

Seid gesegnet mit Begegnungen, aus denen ihr lernt,
im Alltag offen zu sein für Menschen aller Kulturen und Sprachen,
um in ihnen anzunehmen, was euch selbst fehlt.

Seid gesegnet mit Achtsamkeit, die euch lehren will,
im Alltag anderen Menschen das zu schenken,
was sie sich selbst nicht geben können.

So segne euch und schenke euch eine Segen bringende Zeit
der gute und menschenfreundliche Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Gebete in der Corona-Krise

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Von Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier)

Jesus, unser Gott und Heiland,
in einer Zeit der Belastung und der Unsicherheit für die ganze Welt
kommen wir zu Dir und bitten Dich:

für die Menschen, die mit dem Corona-Virus infiziert wurden und erkrankt sind;
für diejenigen, die verunsichert sind und Angst haben;
für alle, die im Gesundheitswesen tätig sind
und sich mit großem Einsatz um die Kranken kümmern;
für die politisch Verantwortlichen in unserem Land und weltweit,
die Tag um Tag schwierige Entscheidungen für das Gemeinwohl treffen müssen;
für diejenigen, die Verantwortung für Handel und Wirtschaft tragen;
für diejenigen, die um ihre berufliche und wirtschaftliche Existenz bangen;
für die Menschen, die Angst haben, nun vergessen zu werden;
für uns alle, die wir mit einer solchen Situation noch nie konfrontiert waren.

Herr, steh uns bei mit Deiner Macht,
hilf uns, dass Verstand und Herz sich nicht voneinander trennen.
Stärke unter uns den Geist des gegenseitigen Respekts,
der Solidarität und der Sorge füreinander.
Hilf, dass wir uns innerlich nicht voneinander entfernen.
Stärke in allen die Fantasie, um Wege zu finden,
wie wir miteinander in Kontakt bleiben.
Wenn auch unsere Möglichkeiten eingeschränkt sind,
um uns in der konkreten Begegnung als betende Gemeinschaft zu erfahren,
so stärke in uns die Gewissheit,
dass wir im Gebet durch Dich miteinander verbunden sind.

Wir stehen in der Fastenzeit.
In diesem Jahr werden uns Verzichte auferlegt,
die wir uns nicht freiwillig vorgenommen haben
und die unsere Lebensgewohnheiten schmerzlich unterbrechen.

Gott unser Herr, wir bitten Dich:
Gib, dass auch diese Fastenzeit uns die Gnade schenkt,
unseren Glauben zu vertiefen und unser christliches Zeugnis zu erneuern,
indem wir die Widrigkeiten und Herausforderungen,
die uns begegnen, annehmen und uns mit allen Menschen verstehen
als Kinder unseres gemeinsamen Vaters im Himmel.

Sei gespriesen in Ewigkeit.

Amen.

 

Von Bischof Hermann Glettler (Innsbruck)

Herr, Du Gott des Lebens,
betroffen von der Not der Corona-Krise kommen wir zu Dir.
Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist
und bitten um Heilung für alle Erkrankten.
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.
Tröste jene, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben.

Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie
und allen Pflegenden Kraft in ihrer extremen Belastung.
Gib den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen.
Wir danken Dir für alle, die mit vielfältigen Diensten
die Sicherheit und Versorgung unseres Landes aufrecht erhalten.
Wir beten für alle, die in Panik sind oder von Angst überwältigt werden.
Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden erleiden oder befürchten.
Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne mussten,
sich einsam fühlen und niemanden an ihrer Seite haben.
Stärke die Herzen der alten und pflegebedürftigen Menschen,
berühre sie mit Deiner Sanftheit und gib ihnen die Gewissheit,
dass wir trotz allem miteinander verbunden sind.

Von ganzem Herzen flehen wir, dass die Epidemie abschwillt
und dass die medizinischen Einrichtungen auch künftig
den übermäßigen Anforderungen entsprechen können.
Wir beten, dass die Zahl der Infizierten und Erkrankten abnimmt
und hoffen auf eine baldige Rückkehr zur vertrauten Normalität.

Guter Gott, mache uns dankbar für jeden Tag, den wir gesund verbringen.
Lass uns nie vergessen, dass unser Leben ein zerbrechliches Geschenk ist.
Wir sind sterbliche Wesen und können nicht alles kontrollieren.
Du allein bist ewig, Ursprung und Ziel von allem - immer liebend.
Getragen vom Frieden, der von Dir kommt, werden wir die Krise bestehen.

Jesus, Du Herr und Bruder aller Menschen,
Deine Gegenwart vertreibt jede Furcht, sie schenkt Zuversicht
und macht uns bereit, offen und aufmerksam für das Leben.
Jesus, wir vertrauen auf Dich!

Heilige Maria, Mutter unseres Herrn,
und alle heiligen Frauen und Männer,
Nothelfer und Schutzpatrone unseres Landes,
bittet für uns.

Amen.

 

Ein kurzes Gebet in der Corona-Krise

“Herr, bleibe bei uns!”

Dieses ganz kurze Gebet kommt aus tiefstem Herzen.

Die Jünger von Emmaus haben diese Worte zu Jesus gesagt,
als er ihnen am Ostertag auf dem Weg von Jerusalem
zurück in ihr Dorf Emmaus begegnete
und mit ihnen über alles sprach, was sie bewegte:
über das Erleben der Kreuzigung,
über die ersten Berichte zur Auferstehung,
über ihre Verzweiflung und ihre Hoffnung.
Sie erkennen den Auferstandenen nicht,
aber weil sie spüren, dass dieser “Fremde” ihr Herz anspricht,
sagen sie zu ihm, als sie in Emmaus ankommen:

“Herr, bleibe bei uns!
Es will Abend werden.
Der Tag hat sich schon geneigt.”

Dieses kurze Gebet könnten auch wir jeden Abend um 19.30 Uhr beten.

 

Zehn Gebote zum Nachdenken und Nachmachen nach Dr. Thorsten Latzel (Frankfurt)

 1. Du sollst deine Mitmenschen lieben,

komm ihnen aber gerade deswegen nicht zu nahe.

Übe dich in „liebevoller Distanz“.

 

2. Du sollst nicht horten - weder Klopapier noch Nudeln

und schon gar keine Desinfektionsmittel oder gar Schutzkleidung.

Die werden in Kliniken gebraucht, nicht im Gästeklo zu Hause.

 

3. Die Pandemie sollte das Beste aus dem machen, was in dir steckt.

Keinen Corona-Wolf und kein Covid-Monster,

sondern einen engagierten, solidarischen Mitmenschen.

 

4. Quarantäne-Zeiten sind Auszeiten.

Das passt sehr gut in die Zeit vor Ostern.

Du solltest ruhig auf manches verzichten.

Dafür gewinnst du andere Freiheit hinzu.

 

5. Du sollst keine Panik verbreiten.

Panik ist nie ein guter Ratgeber, zu keiner Zeit.

Gesunder Menschenverstand und Humor dagegen schon.

Deshalb hör auf Fachleute. Da macht man erst mal nichts falsch.

 

6. Du solltest von „den Alten“ lernen.

In früheren Zeiten von Seuchen und Pestilenz,

als es noch keine so gute Medizin wie heute gab,

halfen Menschen vor allem ein gesundes Gottvertrauen

und durch tätige Fürsorge füreinander.

 

7. Du solltest vor allem die Menschen trösten und stärken,

die krank werden, leiden oder sterben, und auch die, die um sie trauern.

Sei der Mensch für andere, den du selbst gern um dich hättest.

 

8. Du solltest anderen beistehen, die deine Hilfe brauchen:

Einsamen, Ängstlichen, Angeschlagenen.

Oder Menschen, die jetzt beruflich unter Druck geraten.

 

9. Du solltest frei, kreativ und aktiv mit der Pandemie umgehen.

Du wirst am Ende vielleicht überrascht sein,

was sie Positives aus dir und anderen herausholt.

 

10. Du solltest keine Angst vor Stille und Ruhe haben.

Wenn diese Zeit zum Nachdenken,

zum Lesen und zu Zeit für die Familie führt,

wäre das ein guter „sekundärer Krankheitsgewinn“.

Vom 23.02.2020

Ihr lieben Schwestern, liebe Brüder,
von hinten komm’ ich heuer wieder
herein in dieses Gotteshaus,
wo ihr stets gehet ein und aus.

Vielleicht verwundert meine Kleidung,
ihr kennt mich anders aus der Zeitung,
als Arzt, als Gärtner, Bauarbeiter,
als Menschenfischer, Mönch - ganz heiter

kam ich auch mehrmals schon als Narr,
wie früher das so üblich war,
denn Narren ist's doch vorenthalten,
uns all'n den Spiegel hinzuhalten.

War öfter schon ein rechter Bengel,
doch heut - komm ich als Friedensengel.
Ihr seht's mir an, bin leicht lädiert,
mein Heil'genschein ist demoliert,

die Federn, Flügel ganz zerzaust,
bin dennoch zu euch hergesaust.
Als Friedensengel hat man's schwer:
am Hass der Welt, da leid ich sehr.

Und  dennoch, liebe Schwestern, Brüder,
die Faschingszeit, die herrscht nun wieder.
Auch wenn in Hanau, ganz beklommen,
man dort der Freud' das Recht genommen,

so demonstriert man deutschlandweit
in diesen Tagen Heiterkeit.
So kam auch unser Bürgermeister,
der Engler Horst, jawohl, so heißt er,

als Nemo-Fisch beim Gaudiwurm.
Es nützte nichts beim Rathaussturm!
Man fing uns beide, Horst - nun gut.
Dir ein Applaus und frohen Mut...!

Ob Fasching, Fastnacht, Karneval,
dahinter steckt doch allzumal
des Menschen Wunsch, trotz vielem Leiden
das Böse aus der Welt zu treiben.

So haben diese tollen Tage
der Welt ganz Wichtiges zu sagen:
Ihr lieben Christen, hört mir zu!
Auch heut' lass ich euch nicht in Ruh.

In Reimen werd’ ich wieder dichten,
um so die Botschaft auszurichten,
die Jesus uns gegeben hat,
damit wir geh’n auf Gottes Pfad.

In Oscheff hier das Jahresthema,
das kennt inzwischen doch ein jeder:
Die „Herzenssache Mainaschaff“,
die weckt uns all aus unserm Schlaf.

Denn wenn das Herz wird hart wie Stein,
dann wird es uns nicht möglich sein,
Gemeinschaft hier am Ort zu leben,
dann wird die Welt von Hass erbeben.

Am Mittwoch haben wir's gesehen,
welch Dinge können dann geschehen.
Wenn wir nicht wach durchs Leben wandeln,
bestimmen Andre unser Handeln.

Ja, wach zu sein ist Christenpflicht,
dass böse Geister haben nicht
am End' die Überhand gewonnen,
und zwischen Fingern uns zerronnen

die Herzlichkeit, Großzügigkeit,
die Toleranz und Menschlichkeit.
Wo Menschen Hass und Feindschaft schüren,
da gilt's beizeiten sich zu wehren,

da müssen wir zusammenstehen
einander helfen hinzusehen,
dass wir gemeinsam Sorge tragen,
dass keiner muss vor Angst verzagen.

Drum reden wir nicht drum herum -
'ne Wucht, dies Evangelium!
Wir wissen schnell, worum es geht,
und ahnen auch, wie’s um uns steht.

Wir sollen unsre Feinde lieben,
nicht nur die Nächstenliebe üben.
Den Feind zu lieben - ist das möglich?
Ist dies Bemühen nicht vergeblich?

Ist das nicht ein Verrat am Guten,
wenn wie in Hanau Menschen bluten?
Muss man nicht bieten seine Stirn,
wenn da ein Mann mit krankem Hirn

elf Menschen tötet, hasserfüllt,
und wenn die braune Menge brüllt,
dass die Migranten sind selbst schuld?
Das überfordert die Geduld!

Wie viel Verblendung gibt es doch!
Sie gab es immer - jetzt jedoch
ist wieder mal ein Maß erreicht,
dass mir das Herz wird schwer, nicht leicht.

Statt wie in Hanau Tod und Schrecken,
die rechten bösen Geister wecken,
da woll'n wir lieber hier auf Erden
einander doch zum Segen werden.

Doch meint die Feindesliebe auch:
dahinterschaun - ein guter Brauch -
ich frage mich, nun gebt mal acht:
wer hat den Feind zum Feind gemacht?

Wer ist ins Hirn da eingedrungen?
Welch' Teufel hat den Mann gezwungen,
so blind und grausam dort zu handeln,
statt menschlich durch die Welt zu wandeln?

Ich glaub', der Grund, der liegt viel tiefer,
der liegt im rechten Ungeziefer.
Verzeiht mir dieses harte Wort,
doch muss erlaubt sein hier am Ort,

die Ding' beim Namen mal zu nennen
Denn die durch unsere Straßen rennen,
die blind für Mensch und Menschlichkeit,
verlieren die Barmherzigkeit,

und töten dann, erschießen noch
die Mutter und sich selbst - jedoch:
die haben's letztlich nicht erdacht,
zu Tätern wurden sie gemacht.

Denn hinter jedem Missetäter,
das weiß inzwischen doch ein jeder,
da stehen andre, die verführen
zum Hass durch feige Hintertüren.  

Der Till von Mainz, der hatte Recht,
als er am Freitag gar nicht schlecht
bei „Mainz bleibt Mainz“ tut resumieren -
ich darf fast wörtlich ihn zitieren:

„Und wo ich immer mehr erschrecke,
das sind die Reden von Björn Höcke.
Denn wenn ich schließ die Augenlider,
hör ich die alten Nazis wieder.

Wo man Moscheen gar beschießt
und Judenhetze wieder sprießt.
Man wird’s ja wohl noch sagen können,
doch gilt's die Urheber zu nennen.

Die AFD, Rechtspopulisten,
den Gauland, den Nationalisten,
sein „Vogelschiss“ der gift'ge Mist
von Erfurt und von Hanau ist.“

Dem klugen Wort, dem stimm ich zu,
und füge auch noch selbst hinzu:
Es fängt stets an mit bösen Worten,
die dann an ganz verschied'nen Orten

zu grausam-bösen Taten werden.
So ist das immer hier auf Erden.
Wer Brände legt in Geist und Sinn,
wer daraus zieht für sich Gewinn,

der wird sich wundern dann am Ende,
wie Täter schaffen selbst die Wende
vom Menschsein zur Unmenschlichkeit,
von Toleranz zur Grausamkeit.

Ja, bei der AFD gibt's Menschen,
die lieber andre ganz ausgrenzen.
Sie schüren Ängste und verführen,
weil sie schon „Überfremdung“ spüren.

Das christlich Abendland zu retten,
sei'n sie gekommen. Doch wetten?
Wenn unsre Kirch' mal Hilfe braucht,
dann sind sie ganz schnell abgetaucht.

Die Kirche soll kein Geld bekommen,
drum ruf ich zu all unsern Frommen:
Ihr solltet gut euch überlegen,
wem ihr im März die Stimm' wollt geben!

Ich misch bei Wahlen mich nicht ein,
doch dieses offne Wort muss sein!
Die Uhr hat fünf vor zwölf geschlagen,
drum will ich es ganz offen sagen:

Wer wählt die Rechten aus Protest,
um abzustrafen nur den Rest,
der muss ab heut sich überlegen,
wes Geist er da die Hand gegeben.

Wir merken doch, wer mitmarschiert
und welcher Ungeist da regiert.
Intoleranz, Hartherzigkeit
und auch die Fremdenfeindlichkeit,

dem standzuhalten obendrein,
darf man nicht wischi-waschi sein.
Bei Hass und Hetze - mit Verlaub -
da hört die Meinungsfreiheit auf.

Doch Vorsicht, Georg, sag ich mir,
Besonnenheit ist eine Zier.
Denn auch in unsrer Kirche - nein -
da ist nicht alles gut und fein.

Du, Papst Franziskus, Freund und Bruder,
seit sieben Jahr'n bist du am Ruder
des Schiffleins, das sich Kirche nennt.
Du führst es gut und kompetent

durch diese turbulenten Zeiten -
und eines kann man nicht bestreiten:
Du lässt dir auch bei Sturm und Wellen
Humor und Freude nicht vergällen.

Seit du im Amt bist, schwärmst du schon
von deiner Kirchenvision,
und willst in eindrucksvollen Bildern
uns deine Vorstellungen schildern:

So wie ein Lazarett im Feld
siehst du die Kirche in der Welt.
Sie soll die vielen Wunden heilen
und stets das Schicksal derer teilen,

die sich im Lebenskampf verletzen,
soll sich bewusst zu denen setzen,
die krank sind und auf Hilfe hoffen,
ganz einfühlsam und gut und offen.

Gerade diese Offenheit
erwartest du nicht nur im Leid.
Sie muss das Markenzeichen sein
für unsre Kirche allgemein.

Du nennst sie gern ein Haus mit Türen,
die alle in die Freiheit führen.
Die Kirche, die sich das nicht traut,
die hohe Mauern um sich baut,

die liegt - meinst du - gewaltig schief,
erstickt an ihrem eignen Mief.
Natürlich siehst du auch ganz klar:
Da draußen lauert die Gefahr.

Wer auf die Straße geht, riskiert,
dass ihm im Freien was passiert,
dass er dort einen Unfall baut.
Doch dir sei - sagst du oft und laut -

eine verbeulte Kirche lieber,
als eine, die die schweren Schieber
an ihren Toren fest verschließt,
und sich das Leben selbst vermiest.

Den Aufbruch und ganz viel Bewegung
willst du - statt Christen ohne Regung,
die keinen Schritt zum andern wagen,
und nur die böse Welt beklagen.

Franziskus, das tut wirklich gut,
dass du mit Phantasie und Mut
uns neue Kirchenbilder schenkst,
und nicht in alten Bahnen denkst,

dass du ganz frische Worte findest,
verbrauchte Floskeln überwindest.
Doch nun scheint deine Kraft zerrieben.
Wo ist denn nur dein Mut geblieben?

Denn jetzt, dein Amazonas-Schreiben
das blieb doch wirklich sehr bescheiden.
Ja, auch für Päpste scheint es schwer,
den Feind zu lieben, der kommt quer,

wenn Gegenwind weht ins Gesicht.
Ich will nicht, dass dein Mut zerbricht
am Widerstand von Gerhard Müller,
von Rainer Wölki und, noch schlimmer,

von alten Papst, dem Benedikt,
der Bücher auf den Markt nun schickt,
um die Reformen aufzuhalten
dass möglichst alles bleibt beim Alten.

Doch von den übertrieben Frommen
kann keine frohe Botschaft kommen!
Es braucht jetzt Mut, Entschiedenheit,
Veränderung und neue Zeit.

Am Zölibat starr festzuhalten,
an vielem Überkommnen, Alten -
das hilft der Kirche doch nicht viel,
Erneuerung ist unser Ziel.

Drum sei, Franziskus, heut gesagt,
aus Liebe sei mein Wort gewagt:
Mein Wunsch an dich ist: Bleib dir treu!
Denn das ist mir nicht einerlei!

Geh deinen Weg beharrlich weiter,
und suche dir genügend Streiter,
die mutig deinen Traum verfechten -
von einer ehrlichen und echten

und armen Kirche, die sich gern
bewegt auf Spuren ihres Herrn.
Du sollst auch deine Feinde lieben,
doch nirgendwo steht da geschrieben,

dass man zu allem Ja und Amen
zu sagen hat in Gottes Namen.
Vielmehr auf Hoffnung wir jetzt setzen.
Du wirst uns sicher nicht verpetzen,

wenn nun auch wir den Weg gehn weiter,
entschieden und gelassen-heiter,
den Weg der Liebe und der Güte,
die uns beschützt - und Gott verhüte,

dass wir in Ängstlichkeit verfallen.
Wir öffnen unsre Türen allen,
die Freiheit suchen und den Frieden,
den Jesus uns doch all beschieden.

Kein Aug um Aug, kein Zahn für Zahn,
keine Vergeltung - das macht lahm.
Stattdessen wollen wir vergeben,
mit Güte eine Antwort geben.

Drum wenn in diesen Narrentagen
die Menschen helle Freude wagen,
wo oft das Böse diese Welt
so fest in seinen Fängen hält,

dann gibt’s doch Grund für Fröhlichkeit
und noch viel mehr für Menschlichkeit.
Die Freude ist es, die sich regt
und Kirche in die Zukunft trägt.

Das sollten wir den Menschen sagen
in guten wie in bösen Tagen.
Mit einer solchen Zuversicht
heb ich voll Hoffnung das Gesicht,

will mit euch allen fröhlich sein,
als Friedensengel stimm ich ein:
Der Frieden lässt sich nie erzwingen,
doch mit viel Menschlichkeit erringen.

Die Priester, Pfarrer allenthalben
woll'n gern das letzte Wort behalten,
doch ich lad‘ ein, ihr Herrn und Damen,
ruft ihr das letzte Wort! Sagt: „AMEN!“

 Georg Klar, Pfarrer

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