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Einzug :  Orgelspiel

Eingangslied :  „Nun jauchzt dem Herren...“  GL 144, 1+2

Begrüßung und Einführung

Beginnen wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gott, der mit uns allen auf dem Weg durchs Leben ist, er sei mit euch...!

Liebe Buben und Mädchen, liebe Schwestern und Brüder, herzlich willkommen zu unserem Gottesdienst an diesem Sonntagmorgen! Zehn Wochen lang hält uns das neue Corona-Virus jetzt schon in Atem - uns und die gesamte Welt. Der Weg durch und aus dieser Krise wird wohl langwieriger als gedacht.

Aber wir sind auf dem Weg, auch als Kirche und als christliche Gemeinde, miteinander und füreinander. Wir suchen, versuchen  und gehen tastend den nächsten Schritt. Dabei ist es wichtig,  vor dem nächsten Schritt nicht schon den übernächsten Schritt gehen zu wollen. Schritte werden beim Gehen gemacht. Und das braucht Umsicht und Aufmerksamkeit, das braucht Geduld und Ausdauer, das braucht Mut und Vernunft. Keine einfache Zeit und kein einfacher Weg. Vieles ist neu und muss bewältigt werden.

Wie gut, dass Gott uns in dieser gesamten Zeit begleitet. Stärken wir in diesem Gottesdienst unseren gemeinsamen Glauben an sein Mitgehen im Heiligen Geist. Um diesen Geist wollen wir in der Pfingstnovene, in diesen neun Tagen vor Pfingsten besonders beten. Stärken wir darin auch unsere Hoffnung und wissen wir uns verbunden mit all jenen, die jetzt zu Hause mit uns beten.

Nehmen wir in diesen Gottesdienst alles mit hinein, was uns in der vergangenen Woche beschäftigt, gefreut oder auch belastet hat. Und rufen wir jetzt im Kyrie zu unserem Herrn und Bruder Jesus Christus. Wir stehen...!

Bußakt und Kyrie :  „Herr, erbarme dich...“  GL 157  V/A

Herr Jesus Christus,

du kennst uns und du weißt um uns:


#    Es ist ein gutes Gefühl, nicht allein gelassen zu werden.       
Denn dein und unser Vater, er ist bei uns.                                
Wir rufen zu dir...

#    Es ist ein gutes Gefühl, keine Angst haben zu müssen.
Du, Jesus, gehst immer an unserer Seite.
Wir rufen zu dir...

#    Es ist ein gutes Gefühl, nicht in den Sorgen unterzugehen.
Dein Geist ermutigt und ermuntert uns.
Wir rufen zu dir...

Es erbarme sich unser der treue Gott, er nehme von uns alle Zweifel und Ängste, er schenke uns Vertrauen in seine Nähe und Mut zum Leben. Amen. - Gloria in excelsis Deo...!

Gloria :  „Gott Vater in dem höchsten Thron...“  GL 144, 7

Tagesgebet

Guter und treuer Gott,
der Himmel ist unser aller Ziel.
Aber er ist nicht unsere einzige Aufgabe auf dieser Erde,
sondern auch das Gewöhnliche, der Alltag unseres Lebens,
auch das Dunkel, auch der Schmerz, auch das Leid,
auch die ungelösten Fragen, die uns zur Zeit bewegen.
Dies alles kann zu einem Stück Himmel werden,
wenn wir dahinter deine segnende Hand wahrnehmen.
Denn wenn wir uns daran erinnern,
wird uns auch dieses Leben zum Segen
in Jesus Christus, deinem Sohn,
unserem Bruder und Herrn.
Amen.

1. Lesung :  Apg 1, 12-14

1. Zwischengesang :  „Komm, Schöpfer...“  GL 351, 1+2

2. Lesung :  1 Petr 4, 13-16

2. Zwischengesang :  „Halleluja...“  GL 175, 6  V/A

Evangelium :  Joh 17, 1-11a

Predigtgedanken

Meine lieben Buben und Mädchen, liebe Schwestern und Brüder!

„Euch kann man aber auch keine einzige Minute allein lassen!“ Kinder bekommen solche Worte immer wieder einmal zu hören. Und sie sind, zumindest meist, nicht unbedingt als Anerkennung gemeint.

Sozusagen über Nacht hat Jesus die Frauen und die Männer allein gelassen, die alles verlassen hatten und ihm gefolgt waren. Kein Wunder also, dass die ersten Christen durchhängen und ziemlich ratlos sind. Die Zeit zwischen Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten markiert eine große Verwirrung und eine tiefe Traurigkeit, modern ausgedrückt könnten wir sagen, eine Art tiefer Depression.

Und solch eine Gemütslage kennen wir wohl alle - etwa wenn wir meinen: „Jetzt geht überhaupt nichts mehr!“ Oder auch wenn wir fragen: „Wie lange soll dieses Elend, wie lang soll diese Not denn noch dauern?“ Dann fühlen wir uns allein, ohnmächtig und hilflos. Dann trauen wir uns einfach nichts mehr zu.

Was wäre gewesen, wenn die Eltern uns nicht zugetraut hätten, einmal für Stunden, vielleicht sogar für einen ganzen Tag allein zu bleiben? Was hätte sich entwickeln können, wenn Jesus die Seinen weiter bemuttert, womöglich sogar bevormundet hätte, wie es auch in der Kirche an manchen Orten leider immer noch geschieht, als wären die Christen unmündige Kinder?

Nein, Jesus geht zum Vater, damit die Seinen endlich auf eigenen Beinen stehen! In der ersten Lesung werden sie alle genannt. Petrus zum Beispiel. Schnell ist er dabei mit dem Wort und fällt dann doch ins Wasser. Oder Jakobus, der sich mit seinem Bruder Johannes schon mal Gedanken macht, wer im Himmel die ersten Plätze besetzt. Oder auch Thomas, der mit seinen Zweifeln zum Nachdenken zwingt.

Auf eigenen Beinen stehen, auf eigenen Glaubensbeinen stehen. Das ist eine Zu-Mutung im wahrsten Sinne des Wortes: Jesus macht uns Mut, unseren eigenen Weg zu suchen und zu finden und ihn dann auch zu gehen - durchaus mit seinen Worten im Ohr und mit seiner Hingabe im Herzen. So wie wir einst auch von Zuhause weggegangen sind mit unseren je eigenen Ideen, mit Vorstellungen und Zielen, immer aber mit den positiven und auch mit den schmerzhaften Erfahrungen des Elternhauses.

Ja, liebe Schwestern und Brüder, das ist die neue Erfahrung der Jünger nach Jesu Tod und Auferstehung: Jesus ist nicht mehr da! Und der Heilige Geist, der verheißene Beistand - er ist noch nicht da! Situationen, die wir aus unserem persönlichen Glaubensleben kennen. Es ist ein Zustand, wie wir ihn gelegentlich auch in der Kirche erleben können. Da gibt es gerade auch oft so ein ziemlich trostloses Durchhängen, eine gewisse Ratlosigkeit und Müdigkeit. Da wird halt irgendwie so weitergemacht. Aber das möchten wir nicht.

Darum haben wir vor drei Jahren mit unseren drei Gemeinden in Kleinostheim, Mainaschaff und Stockstadt einen Aufbruch gewagt. Wir werden sehen, wie es weitergeht, auch in und nach Corona. Wir sind auf dem Weg von alten zu neuen Ufern. Es tut gut, uns zu vernetzen, uns zu verständigen und gemeinsame Antworten zu finden auf die Fragen der Zeit. Daraus erwuchs nun auch die Entscheidung, noch zu warten mit der Feier der Eucharistie hier in der Kirche, solange diese fast schon klinischen Bedingungen gelten. Wir glauben, dass wir besser daran tun, uns in Geduld zu üben und in Besonnenheit. Das sind Gaben des Heiligen Geistes!

Diese Zeit der Corona-Pandemie lässt manche zweifeln. Sie leiden darunter, dass Dinge sich verändern, dass manches nicht mehr oder noch nicht wieder möglich ist. Andere verfallen in eine Art Aktionismus, der Vorsicht und Mut nicht mehr verbindet.

Nach dem Johannesevangelium hilft uns in diesem Zustand die frühe Christengemeinde, indem sie Jesus beten lässt - mit für ihn irgendwie untypischen Worten. Alles was die Gemeinde von Jesus weiß, glaubt und hofft, alles, an was sich die Frauen und Männer erinnern, fassen sie in diesen Worten zusammen, vor allem ihren Glauben: Jesus ist mit Gott, dem Vater, eins! Schon darum sind sie nicht von Gott verlassen, auch wenn sie traurig sind. Aus diesem Gebet hören die ersten Christen Jesu Worte, spüren sie seinen Geist, schöpfen neue Zuversicht. Und sie gehen endlich los - in alle Welt hin zu den Menschen. Davon erzählt auch die Geschichte, die ich am Ende mit Ihnen und mit Euch teilen will:

Ein junger Mönch bat seinen Freund, er möge ihn doch auf einer weiten Wanderung begleiten, damit er unterwegs Hilfe und Beistand habe. Der Freund sagte: „Ich will dir gern beistehen, so gut ich kann, aber manches wirst du doch allein tun müssen.“  „Wie meinst du das?“ fragte der Mönch? Sein Freund erwiderte: „Nun - wenn ich esse und trinke, wird es dir nicht den Magen füllen. Wenn du müde geworden bist und schläfst, musst du es für dich selbst tun. Nur du kannst deinen Körper aufbrechen und gehen lassen.“ Dem jungen Mönch öffnete das endlich die Augen und er machte sich auf den Weg - allein und dennoch gestärkt durch die Gemeinschaft mit seinem Freund.

Gehen wir also los, liebe Schwestern und Brüder, als Christen und als Menschen, in unserer Kirche und in unserer Welt, gelassen, aber mutig, und tun wir das, was auch unserer Papst Franziskus tut in seiner so gewinnenden Art, einfach, bescheiden, freundlich, großzügig und einladend - nämlich Brücken des Lebens zu bauen zu den Menschen und gemeinsam mit ihnen zu Gott. Amen.

Credolied :  „Credo in unum Deum...“  GL 177  V/A

Fürbitten

Guter und treuer Gott, wir sind verbunden mit den Schwestern und Brüdern in der ganzen Welt. Wir wollen miteinander Brücken bauen zwischen den Menschen und zwischen dieser Welt und deinem Himmel. Wir brauchen deine Hilfe. So bitten wir dich:

o     Wir denken an alle Christen:

Lass uns nicht stehen bleiben bei dem, was uns noch trennt,
sondern auf das schauen, was uns schon eint.
Gott, unser Vater...

o     Wir denken an das jüdische Volk,
an unsere älteren Schwestern und Brüder.
Lass alte Wunden heilen und schenke Mut zur Versöhnung.
Gott, unser Vater...

o     Wir denken an die Armen und an all jene,
die gerade jetzt in dieser Krisenzeit beonders leiden.
Lass unseren frommen Worten auch Taten folgen.
Gott, unser Vater...

o     Wir denken an unsere lieben Verstorbenen.
Wir beten heute besonders für Hedwig und Lorenz Müller,
für Erhard Klein, Michael und Eva Klein
und für alle Verstorbenen der Familie Mantel,
für Manfred Bahmer sowie Georg und Irene Bahmer,
für Peter und Barbara Helbig,
für Pfarrer Raimund Merget und Angehörige
und für Pfarrer Weth und Hugo Hammer.
Lass uns begreifen, dass die Liebe die Brücke ins Leben ist.
Gott, unser Vater...

Treuer Gott, öffne uns alle für deine Gegenwart, dass wir über uns selbst hinauswachsen. Lass uns gemeinsam und geduldig, entschieden und mutig Brücken bauen zueinander - Brücken, die ins Leben führen. Und schenke uns dazu deinen Beistand, den Heiligen Geist, in dieser Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Vater Unser

Liebe Schwestern und Brüder,
schließen wir jetzt in das Gebet Jesu alle die mit ein,
die zu unserer Gemeinschaft gehören:
unsere Familien und Freunde, die Gesunden und die Kranken,
all jene, die in dieser Stunde zuhause beten.
Fühlen wir uns mit ihnen allen verbunden,
wenn wir beten, wie Jesus uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel…

Friedensgruß

Liebe Buben und Mädchen,
meine lieben Schwestern und Brüder!

Keine Umarmung, kein Händedruck,
vieles geht im Augenblick nicht,
was uns wohl allen ziemlich fehlt.
Aber ein freundliches Lächeln hin zum Andern,
das ist möglich und immer erlaubt!
Der Friede unseres Herrn Jesus Christus,
und die Freude über seine Auferstehung sei allezeit mit euch...!

Einführung zur Aussetzung

Liebe Schwestern und Brüder,

wir wollen im Augenblick noch keine Eucharistie feiern,
aber Jesus Christus, der um alles weiß,
und der versprochen hat, stets bei uns zu sein,
kommt nun im Brot des Lebens in der Monstranz in unsere Mitte,
damit wir seine Nähe mit eigenen Augen sehen
und damit wir ihm mit unserem Herzen
für diese Nähe danken.
Dazu knien wir...!

Lied zur Aussetzung :  „Deinem Heiland...“   GL 849, 1+2

Meditation vor dem Allerheiligsten

Herr Jesus Christus,
gegenwärtig unter uns im Brot des Lebens,
du hast uns Gottes Liebe verkündet
und du hast selbst daraus gelebt.
Dich betrachtend kommen uns
folgende Gedanken in den Sinn:

Erfahrungen von Gott >>>

Nicht im alltäglichen, lauten Getriebe
lassen sich mit dem Geist Gottes
Erfahrungen machen,
die unser Leben verändern können.

Die Stille, das Allein-Sein
und das Eins-sein mit mir,
das ist der Ort, wo der Geist Gottes
mein Ohr erreicht und mein Herz.

Auch für die Propheten, 
auch für Menschen wie Jesus, 
war diese Stille Voraussetzung
für den Geist, der ihn erfüllte.

Ich muss ganz bei mir sein,
um Gott erfahren zu können.

Und wenn ich ihn erfahre
und sein Geist mich erfüllt,
dann darf ich auch ganz
beim Anderen sein.

Jesus Christus ist unter uns.
In der Stille dürfen wir ihm jetzt alles sagen,
was wir ganz persönlich im Herzen tragen...

Kurze Stille und meditative Musik

Ansagen und Einladungen

Schlussgebet

Guter und treuer Gott,

wir haben um deinen Beistand gebetet,
um den Heiligen Geist, den du verheißen hast.
Lass uns als Gemeinschaft,
die sich immer wieder in deinem Namen versammelt,
treu und mutig an deinem Wort festhalten
und so zum lebendigen Zeugnis werden für das Heil,
das du für die ganze Welt bereit hältst
und für alle Menschen, die dir vertrauen,
für alle Zeit und Ewigkeit.

Amen.

Segen mit der Monstranz

Und so segne euch nun alle der gute und immer treue Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Schlusslied :  „Maria Maienkönigin...“  GL 876, 1+2

Auszug :  Orgelspiel

Aus dem Evangelium nach Johannes  (17, 1-11a)

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war! Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.

Predigtgedanken

Im Evangelium dieses Sonntags geht es ums Beten. Beten will gelernt sein, wie alles im Leben. Wir dürfen uns freuen über Eltern, die mit ihren Kindern beten, weil sie, die Eltern, Vertrauen ins Leben und in Gott haben und weil sie dieses Vertrauen mit ihren Kindern teilen möchten; weil sie wissen, dass sie so vieles Gott verdanken und nicht sich selbst, und weil sie diese Einsicht ihren Kindern weitergeben wollen; weil sie Sehnsucht im Herzen tragen nach dem Mehr des Glaubens und der Hoffnung und weil sie diese Sehnsucht in den Herzen ihrer Kinder wach halten möchten. Beten will eingeübt werden: zuerst und vor allem zuhause bei und mit Eltern und Geschwistern, bei und mit Großeltern, wie auch in Kindergärten und Kinderkirche oder bei der Vorbereitung auf Erstkommunion und Firmung und schließlich in den Gottesdiensten in unserer Pfarrkirche.

Beten mit Herz und Hand, mit Hand und Fuß. Beten mit allem, was wir haben. So unterschiedlich geprägt, so vielfältig und reich sind deswegen in unserer Pfarrgemeinde normalerweise auch die Gebete und Gottesdienste. Im Augenblick, in dieser Zeit der Corona-Krise, ist vieles davon noch nicht wieder möglich. Mit strengen Hygienevorschriften und mit körperlichem Abstand, mit Mund-Nasen-Schutz und damit verbunden mit nicht ganz so befreitem Singen sind unsere sonst so schönen und festlichen Gottesdienste einfach ärmer. Das ist ja auch einer der Gründe, warum wir uns in unserem großen Seelsorgeteam entschieden haben, unter diesen fast schon klinischen Bedingungen wollen wir erst mal keine Eucharistie feiern.

Viele kommen zur Zeit auch nicht oder noch nicht zu den gemeinsamen Gottesdiensten in der Kirche - aus Sorge um die eigene Gesundheit oder aus Rücksichtnmahme auf Andere, oder auch aus dem Empfinden heraus, dass das gemeinsame Beten unter diesen Umständen vielleicht erst mal zurückstehen kann. Ich kann das alles gut verstehen. Umso wichtiger scheint mir darum jetzt gerade das Beten zu Hause zu sein, allein oder auch mit der Familie, nicht gemeinsam und doch verbunden. Gerade jetzt könnte das Beten mit den Kindern einen größeren Raum einnehmen als sonst. Hilfen, Texte und Vorschläge für kleine Hausgottesdienste gibt es stets aktuell auf unserer Homepage und ausgedruckt in unserer Kirche St. Margaretha. Und ich weiß, das ist in unseren Nachbargemeinden in Stockstadt und Kleinostheim nicht anders. Nehmen wir in unser Beten alle die mit hinein, die in diesen schwierigen Tagen für uns da sind. Und vertrauen wir darauf: Gott hört uns, aber er möchte auch zu uns sprechen. Hören wir also gut hin, was er uns zu sagen hat.

Ihr und Euer Pfarrer Georg Klar

Noch ein Text zum Nachdenken

Erfahrungen mit Gott  >>>

Nicht im alltäglichen, lauten Getriebe
lassen sich mit dem Geist Gottes
Erfahrungen machen,
die unser Leben verändern können.

Die Stille, das Allein-Sein
und das Eins-sein mit mir,
das ist der Ort, wo der Geist Gottes
mein Ohr erreicht und mein Herz.

Auch für die Propheten, 
auch für Menschen wie Jesus, 
war diese Stille Voraussetzung
für den Geist, der ihn erfüllte.

Ich muss ganz bei mir sein,
um Gott erfahren zu können.

Und wenn ich ihn erfahre
und sein Geist mich erfüllt,
dann darf ich auch ganz
beim Anderen sein.

Einzug und Eingangslied :  GL 339, 1+2

Begrüßung und Einführung

Beginnen wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Jesus Christus, der uns verspricht, immer bei uns zu sein, er sei mit euch...! Nehmt bitte noch einen Augenblick Platz...!

Liebe Buben und Mädchen, meine lieben Schwestern und Brüder! Ganz herzlich darf ich euch und Sie heute morgen begrüßen hier in unserer Kirche St. Margaretha, nicht wie sonst auf dem Platz vor der Kirche. Keine Prozession mit Musik unserer Blaskapelle, keine Kommunionkinder in ihrer Festkleidung, die Jesus Christus im Brot des Lebens in der Monstranz begleiten. In diesem Jahr ist vieles anders.

Aber eines ist gleich, nämlich das, was wir feiern: Jesus geht zu seinem Vater und bleibt doch uns Menschen treu. So sagt er es heute im Evangelium: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Darum dürfen wir ihm heute eben genauso wie sonst alle unsre Anliegen sagen, besonders die Sorgen vieler Menschen um Arbeit und Lohn, die Sorge um die Gaben der Natur und um die Bewahrung der Schöpfung sowie natürlich jetzt gerade unsere Sorge um eine gute Bewältigung dieser Corona-Krise und einen guten Weg in eine neue Zukunft - nicht nur für uns, sondern für alle Menschen dieser Erde.

Der Himmel fasziniert uns Menschen von alters her. Doch noch immer gilt das Wort: „Wer nicht die Erde zuerst als sein Zuhause geordnet hat, wird am Himmel keine Freude haben.“ Genau das bekommen heute in der ersten Lesung auch die Menschen um Jesus zu hören, als ihnen gesagt wird: „Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ Schauen wir heute also, an diesem schönen und strahlenden Tag, nach oben zum Himmel empor, aber eben auch zur Seite auf die Menschen, die in ihr leben und die uns anvertraut sind. Rufen wir im Kyrie zu Gott. Wir stehen...

Bußakt und Kyrie :  GL 156 V/A

Herr Jesus Christus:

#    Unser Platz ist hier auf der Erde.

Wir helfen der Erde, wenn wir die Hoffnung nicht aufgeben. Wir rufen zu dir...

#    Unser Platz ist an der Seite der Menschen.

Wir helfen den Menschen, wenn wir solidarisch leben.

Wir rufen zu dir...

#    Unser Platz weist auf den Himmel.

Wir helfen den Menschen auf dieser Erde,

wenn wir die Welt einander nicht zur Hölle machen.

Wir rufen zu dir…

Es erbarme sich unser der gute Gott, er öffne uns die Augen des Herzens und er lasse uns sehen seinen Himmel, der sich öffnet den Menschen, die lieben. Amen. - Gloria in excelsis Deo... 

Gloria :  GL 229, 1+2

Tagesgebet

Guter und treuer Gott,

auch wenn es uns wie ein Widerspruch erscheint:

die Himmelfahrt Jesu lenkt den Blick auf unsere Erde.

So lange sie unsere Heimat ist,

haben wir vor dir, unserem Gott,

und vor den Menschen Verantwortung für alles,

was auf Erden lebt und uns umgibt.

Das gilt bis zum letzten Tag,

so lange, bis Himmel und Erde

eins geworden sind in deiner zeitenlosen Ewigkeit.

Amen.

Erste Lesung :  Apg 1, 1-11

Zwischengesang :  GL 339, 3+4

Zweite Lesung :  Eph 1, 17-23

Halleluja-Lied :  GL 319

Evangelium :  Mt 28, 16-20

Predigtgedanken

Liebe Buben und Mädchen, meine lieben Schwestern und Brüder! Alle unsere Kommmunionkinder kennen dieses Lied und singen es so gerne: „Aufstehn, aufeinander zugehn, voneinander lernen, miteinander umzugehn...“ Man kann bei diesem Lied kaum sitzen bleiben, es treibt einen geradezu zum Aufstehen und Aufrechen. Aber oft sagen wir Erwachsenen zu den Kindern nur „Auf, auf...!“

Ganz ehrlich: mich fasziniert dieses kleine bescheidene Wort aus den drei Buchstaben: „AUF“. In diesem Wörtchen steckt so viel, obwohl oder gerade weil es oft nur als Vorsilbe verwendet wird: Aufbrechen zum Beispiel. „Wer nicht aufbricht, kommt nicht an.“ Oder wie es ein Schweizer Kapuziner sagt: „Nur wer aufbricht, kommt an Grenzen.“ Aber bei den Grenzen darf es nicht bleiben, wenn wir uns aufmachen. Grenzen können und Grenzen wollen überwunden werden. Denn wo kämen wir hin, wenn wir nicht schauten, was dahinter ist? Wie gerne würden wir oder sollten wir auch gerade in dieser Zeit dahinter schauen, dann würden wir vielleicht so manches und so manchen besser verstehen.

Dahinter schauen. Darüber hinaus schauen. Das meint Christi Himmelfahrt. Da ist es wieder, das Auf, das ist sie, die Auffahrt. Der Lebensraum Palästina war für Jesus schlicht und einfach zu klein geworden, die Welt am See Genesareth zu eng. Da gab es Grenzen nach allen Seiten. Wenn das Evangelium vom Reich Gottes Sinn machen soll, dann darf es nicht auf ein Land und ein Volk beschränkt bleiben. Himmelfahrt ist wie ein Ruck, der über das erhebt, was wir schon kennen und der Grenzen aufreißt.

Das neue Leben fordert uns Christen geradezu auf, weiter zu sehen, entschiedener zu handeln, tiefer zu glauben, noch viel weiter zu hoffen und vor allem stärker zu lieben. Schon das könnten wir „Himmel“ nennen. Der Himmel führt über alles, was bisher war, hinaus, öffnet den Blick für die Welt. Auferweckung und Auffahrt gehören zusammen. Und das feiern wir heute, auch wenn uns das nicht immer so bewusst ist.


Himmelfahrt lässt alle menschliche Enge überwinden. Also nicht in den Himmel starren, heißt die Devise. Es gilt, aus der Sicht des Himmels unsere Erde, ihre Schönheiten wie auch ihre Probleme und Fragen zu betrachten. Dann erkennen wir unsere Aufgaben, unsere Berufungen. Wir haben es wohl nötiger denn je, aus so manchen verfahrenen Situation auszubrechen und aufzubrechen. Der Status quo, alles so lassen wir es ist, lähmt nur. Einer hat das einmal so formuliert: 

„Menschen, die sich in kein Schema pressen lassen, die die Dinge anders sehen, sind die Menschen, die die Menschheit weiter-bringen, weil sie es sind, die verändern, erfinden, erforschen, formen, erschaffen, heilen und inspirieren. Dies sind auch die Menschen, die nicht nur verrückt genug sind, zu denken, sie könnten die Welt verändern, sondern die es manchmal auch tun. Wir nennen sie Querdenker, Visionäre und Idealisten. Damit sind sicherlich nicht jene zum Teil verirrten Geister gemeint, die beim neuen Corona-Virus an eine große Verschwörung glauben.


Aber sehr wohl lässt sich dieser Himmelfahrtstag vielleicht auch so deuten: Sich von Jesus den Aufbruch im Leben vorzeichnen zu lassen. Himmelfahrtstag heißt dann: Dorthin zu gehen, und das möglichst in Gemeinschaft, wo unsere Hoffnungen liegen. Gegen diesen Aufbruch gibt es viele Einsprüche. Wenn wir aber das Maß des Evangelium daran anlegen, erledigen sich die meisten von selbst. Denn nur wer aufbricht und losgeht, der kann ankommen,  bei den Menschen, bei sich selbst und im Himmel. Amen.

Credo :  GL 780, 1+3

Fürbitten

Der afghanische Mystiker Mevlana Rumi hat im 13. Jahrhundert gesagt: „Lass den Himmel sich auf der Erde widerspiegeln, auf dass die Erde zum Himmel werden möge“. Unter diesem Wort, unter diesem Gedanken wollen wir zu Gott beten:

#    Für die Verantwortlichen in Gesellschaft und Politik,

       die in dieser Zeit der Pandemie besonders gefordert sind,

dass sie bei der Bewältigung der Corona-Krise

Vernunft und Mut in Einklang bringen:

Du Gott des Himmels und der Erde...

#    Für die Verantwortlichen in den Kirchen,

dass ihre Sorge und ihr Engagement

nicht nur der Sorge um den Erhalt der eigenen Traditionen,

sondern auch der Einheit aller Christen dient:

Du Gott des Himmels und der Erde...

#    Für die Verantwortlichen in unserer Gemeinde Mainaschaff,

aber auch für uns als katholische Pfarrgemeinde,

dass wir die Schwachen und Hilfesuchenden

gerade jetzt nicht aus dem Blick verlieren:

Du Gott des Himmels und der Erde...

#    Für uns alle, die wir eine große Verantwortung tragen

für die Schöpfung und für das Leben unserer Kinder,

dass wir diese Aufgabe auch in Kleinigkeiten ernst nehmen

und niemals die Hände in den Schoß legen:

Du Gott des Himmels und der Erde…

#    Für Gudrun und Rosa Sommer, für Annemarie Braun

       und Heinrich Sommer und für alle unsere Verstorbenen,

       dass ihre Hoffnungen und Träume erfüllt werden

       auf die Fülle des Lebens in deinem Himmel.

Du Gott des Himmels und der Erde...

Darum bitten wir dich, du treuer Gott, durch Jesus Christus, der nicht in einem fernen Himmel thront, sondern mitten unter uns lebt und durch uns wirkt - heute und bis in Ewigkeit. Amen.

Vater Unser

Jesus hat aus einem tiefen Vertrauen in seinen Vater im Himmel gelebt. Darum hat er seine Jüngerinnen und Jünger aus dieses Gebet des Vertrauens gelehrt, in das wir nun alle einschließen wollen, die zu uns und zu unserer Gemeinschaft gehören: unsere Kommunionkinder, unsere Familien und alle, die in dieser Stunde zuhause beten. Fühlen wir uns nun mit ihnen allen verbunden, wenn wir beten, wie Jesus uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel...

Friedensgruß

 Liebe Buben und Mädchen,

meine lieben Schwestern und Brüder!

Keine Umarmung, kein Händedruck,

vieles geht im Augenblick nicht.

Aber ein freundliches Lächeln hin zum Andern,

das ist möglich und immer erlaubt!

Der Friede unseres Herrn Jesus Christus,

und die österliche Freude sei allezeit mit euch...!

Einführung zur Aussetzung

Liebe Buben und Mädchen,

liebe Schwestern und Brüder,

wir werden im Augenblick noch keine Eucharistie feiern,

aber Jesus Christus, der um alles weiß,

und der versprochen hat, stets bei uns zu sein,

kommt nun im Brot des Lebens in unsere Mitte,

damit wir seine Nähe mit eigenen Augen sehen

und damit wir ihm mit unserem Herzen

für diese Nähe danken.

Dazu knien wir uns...!

Lied zur Aussetzung :  GL 331, 1+2

Meditation vor dem Allerheiligsten

Herr Jesus Christus,

gegenwärtig unter uns im Brot des Lebens:

Du hast aus der Liebe des Vaters im Himmel gelebt

und warst doch ganz bei den Menschen dieser Erde.

Wenn wir dich betrachten, spüren wir deine Nähe

und ahnen deine Suche nach uns:

Den Himmel suchen  >>>

Den Himmel suchen heißt:
achtsam sein,

verantwortlich für die ganze Schöpfung -

und den Himmel im Herzen tragen.

Den Himmel suchen heißt:
aufhelfen und aufrichten,

wo Menschen gefallen sind -

und den Himmel auf ihr Gesicht zaubern.

Den Himmel suchen heißt:
das Reich Gottes weiten

als ein offenes Land für alle -

und den Himmel auf die Erde bringen.

Jesus Christus ist unter uns,

in seinem Wort, das Hoffnung gibt,

und im Brot des Lebens, das wir verehren.

In der Stille dürfen wir ihm jetzt alles sagen,

was wir ganz persönlich im Herzen tragen...

Kurze Stille

Meditative Musik

Ansagen und Hinweise

Schlussgebet

 Herr Jesus Christus, du hast verheißen:

„Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!“

Dennoch fühlen wir uns manchmal allein und verlassen.

Und doch bist du da, manchmal geheimisvoll verborgen

hinter dem, was wir durchleben und durchleiden.

Schenke uns Mut, von dir zu reden

und so zu leben, dass unsere Mitmenschen spüren,

dass wir auf deine Verheißung bauen.

Wir wollen nicht stehen bleiben und emporschauen,

sondern wir wollen weitergehen.

Sei du und bleib du bei uns,

heute und alle Tage unseres Lebens

bis in deine zeitenlose Ewigkeit.

Amen.

Segen

Mögt ihr immer mit beiden Beinen auf der Erde stehen

und doch den Himmel über euch und in euch ahnen.

Mögt ihr immer an den Himmel Gottes glauben

und doch niemals den Menschen auf der Erde vergessen.

Mögt ihr mit Liebe gesegnet sein zueinander

und immer mit dem Segen des Himmels.

Und so segne euch alle der gute und treue Gott,

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Schlusslied und Auszug :  GL 875, 1+4

CORONA Impuls zur Wochenmitte 27520 01

Aus dem Evangelium nach Johannes (14, 15-21)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Predigtgedanken

Im Evangelium ist von der Liebe die Rede. In unserer Kirche war das nicht immer so. Als der Reformator Martin Luther im Januar 1511 in Rom war, da erfuhr er eine bitterkalte, ja eine sprichwörtlich „winterliche Kirche“, wie der große Theologe Karl Rahner einmal gesagt hat. Eine ernüchternde Erfahrung, die den von Leidenschaft erfüllten Mönch frösteln ließ: eine Kirche, die eher sich selbst in glattem Marmor mit kalter und glänzender Oberfläche zelebrierte. Diese Kirche war sehr mit der Verschönerung ihrer Außenhaut beschäftigt. Sie war prächtig anzusehen, aber innerlich eher kühl, selbstgefällig, reformunwillig, immun gegen den Anhauch des Geistes.

Zum Glück hat sich vieles verändert und manches lässt uns ahnen, dass der Heilige Geist doch noch am Wirken ist - so wie damals in den ersten Tagen der Kirche. Denn es gibt Aufbrüche von Freiheit und Verantwortung, von Menschlichkeit und Liebe, von Offenheit und Toleranz, von Aufbruch und Pilgerschaft. Gerade dort, wo sich diese Kirche vor Ort auf den Weg macht, wie auch jetzt wieder bei uns, in unseren drei Gemeinden Stockstadt, Kleinostheim und Mainaschaff, wie auch im guten ökumenischen Miteinander mit der evangelischen Gemeinde St. Markus, hier wirkt doch der Geist Gottes und ermutigt uns, den Weg in seine Zukunft zu wagen. Wie gut, dass dieser Geist uns nicht allein lässt, damit wir uns selbst engagieren und verantwortlich am Aufbau der Kirche mitwirken und uns senden lassen hin zu den Menschen.

Das ist nicht immer einfach. Da Jesus wohl ganz genau wusste, wie schwierig das schon damals für seine Jünger sein würde, verheißt er ihnen den Heiligen Geist. Doch wer ist das eigentlich, der Heilige Geist? Er wird „Tröster“ und „Helfer“ genannt und wie im Evangelium auch „Beistand“, ein Beistand, der bei den Menschen bleiben und sie erfüllen und antreiben soll, voll Freude und Begeisterung den Glauben zu leben und die Hoffnung nicht zu verlieren, dass am Ende alles gut wird, weil Gott alles gut machen und vollenden wird.

Für diese Hoffnung sollen wir Christen also Zeugnis ablegen. Aber wir sollen es nicht arrogant und überheblich tun, sondern „bescheiden und ehrfürchtig“ - wie Papst Franziskus betont - das heißt mit Einfühlungsvermögen für die Menschen und einem guten Gespür für den richtigen Augenblick, dann aber auch entschieden und engagiert. Die Hoffnung Gottes sollen wir teilen, wir alle, und die Liebe. Dies scheint mir gerade auch jetzt wichtig, in dieser nicht einfachen Zeit. Denn jetzt gute und richtige Entscheidungen zu treffen, mutig, aber auch umsichtig Schritt für Schritt den Weg zu suchen, darauf käme es an. Jesus lädt uns ein, uns dabei an ihm zu orientieren.

In allem, was dieser Jesus tat, hat er die Liebe gelebt, in seinen Worten, in seinen Taten, in seiner Hingabe an uns Menschen. Und wo wir versuchen, diese Liebe zu leben, indem wir füreinander leben, da ist Gott zu erfahren, da ist Hoffnung - für unsere Welt und auch für unsere Kirche.

Ihr und Euer Pfarrer Georg Klar

Noch ein Text zum Nachdenken

Wissen, was Leben ist >>>

Wenn ich von Gott so geliebt und angenommen bin,
dass ich den Tod nicht mehr fürchte,
dann bin ich bei ihm geborgen mitten im Leben.

Wenn ich so geliebt und angenommen bin,
dass mich die Dinge nicht mehr binden,
dann geht mir die Fülle des Lebens auf.

Wenn ich so liebe und annehme,
dass Menschen frei werden von Angst,
dann gehe ich mit zum wahren Leben.

Leben hier und heute.
Leben für mich und für alle Menschen.
Ja, daran glaube ich.

Liebe Buben und Mädchen, meine lieben Schwestern und Brüder! In diesen fünfzig Tagen nach Ostern feiert die Kirche so etwas wie eine Zwischenzeit. In einer Zwischenzeit leben ja auch wir, in der Zeit zwischen einer starken Ausgangsbeschränkung und der Zeit, in der alles wieder gut ist und wir uns wieder frei bewegen und körperlich nahe sein können. Zwischenzeit. Diese schwierige Zeit gilt es zu bewältigen und zu gestalten.

Es war auch eine schwierige Zeit, der sich die Menschen damals nach Jesu Tod stellen mussten. Sie waren mit ihm gegangen, sie haben seine Worte gehört, vieles haben sie verstanden, manches vielleicht auch nicht. Sie hatten Anteil an der Begeisterung, die Jesus in Galiläa und überall ausgelöst hat. Sie waren, so würden wir das wohl heute sagen, seine Fans. Sie mussten nicht lange überlegen, was er für sie bedeutet. Er war einfach da und zog sie in seinen Bann.

Und dann war plötzlich die Begeisterung, dann war die Hoffnung, dann war all das Schöne und Gute an jenem Kreuz auf Golgatha angenagelt. Und sie verstanden auf einmal nichts mehr, so wie wir ja auch so manches nicht verstehen: Warum diese Krise? Wie lange? Was kommt danach? Welche Erfahrungen werden wir in die neue Zeit mitnehmen?

Auch damals machten die Jünger ihre ganz eigenen Erfahrungen: die Frauen am Grab, die Jünger auf dem Weg nach Emmaus und viele andere mehr. Allmählich erinnern sie sich, dass Jesus selbst ja von seinem Tod und seiner Auferstehung gesprochen hat. Und so begreifen sie: sie müssen, wenn sie Jesus folgen wollen, noch einmal ganz genau nachspüren, worum es nun eigentlich diesem Mann aus Nazareth gegangen ist.

Und so lernen sie ganz allmählich, sich mit den vielen und neuen Erfahrungen zurecht zu finden. Einfach war das nicht. Jeder von ihnen musste herausfinden: Was hat die Botschaft Jesu mit mir zu tun, mit mir ganz persönlich?

Was meint das denn überhaupt, Jesus nachzufolgen? Das war für die ersten Christen nicht leicht und das ist es auch heute für uns nicht. Das machen uns heute die zwei Männer aus dem engsten Kreis um Jesus deutlich: Im Evangelium hörten wir von Philippus und Thomas. Wir hörten, wie Jesus zu diesen zwei Aposteln noch vor seiner Auferstehung über seinen Tod und seine Auferstehung spricht und was das für sie und die Menschen bedeuten soll. Thomas und Philippus fragen nach und sie tasten sich so an das heran, was damit gemeint sein könnte. So wie eben auch wir heute uns vorantasten in diesen Tagen - auch was die Feier der gemeinsamen Gottesdienste hier in der Kirche angeht.

Gegenüber Philippus verliert Jesus zwar schon fast die Geduld und sagt: „Schon so lange bin ich nun bei euch, Philippus, und du hast mich nicht erkannt?“ Aber Philippus und Thomas lassen nicht locker. Sie gehen wie wir alle geduldig ihren Weg zum Verstehen. Schließlich gehören sie selbst dann zu jenen, die es schaffen, die Leute mit der Frohen Botschaft in Bann zu ziehen und in Jerusalem die erste christliche Gemeinde zu gründen. Und so werden diese beiden zum Paradebeispiel eines Christen: Sie halten die Unsicherheit des Nichtverstehens aus und - sie bleiben dran! Sie lassen das Missverstehen zu und sammeln immer mehr Glaubenserfahrungen, bis sich für sie aus den vielen, zunächst unverständlichen Puzzleteilen ein Bild ergibt, das sie weitergeben können.

Diese Beispiele können Christen heute, also auch uns, ermutigen, unseren eigenen Weg der Nachfolge zu suchen und zu gestalten, den eigenen Glaubensweg immer wieder genau unter die Lupe zu nehmen und zu schauen, ob wir als Christen denn eigentlich tatsächlich noch in den Spuren Jesu laufen. Denn dazu reicht es nicht zu sagen: Ja, ich bin Christ! Ja, ich bin doch katholisch! Ja, ich gehöre zur Kirche...!

Es braucht auch unser eigenes, unser ganz persönliches Zeugnis als Christ mitten in dieser Welt. Wie das bei einem jedem von uns aussieht, dafür gibt es kein Rezept.

Es braucht Phantasie und unser aller Engagement als lebendige Menschen und als lebendige Kirche. Aber wenn wir hinschauen, wie die Welt um uns herum lebt, wonach sie fragt und was sie braucht, dann können, dann werden wir erkennen, was von uns als Christen, als Kirche gefragt ist. Manchmal ist da sehr viel Mut nötig, weil allein Althergebrachtes nicht mehr so einfach taugt. Die Situation der Kirche von heute ist nicht mehr die von einst. In den vergangenen Woichen haben wir gemerkt, wie vielfältig die Wege der Kirche sein können und müssen, um die Botschaft den Menschen weiterzusagen.

Emails und Whatsapp, Videoclips und SMS, Fotokopien hier in der Kirche für die Gottesdienste zuhause sowie Predigten und Texte auf unserer Homepage. All das wird wohl auch in der nächsten Zeit wichtig bleiben. Und wohl so einiges, was sich bewährt hat, werden wir sicherlich auch in die Zeit nach Corona mitnehmen.

Gerade in den letzten Wochen habe ich feststellen können, wie sehr Menschen auf der Suche sind - nach Glück, nach Sinn, nach einem tragbaren Lebensinhalt und auch nach Gott. Wier sehr sie versuchen, eben auch zu verstehen, was die Frohe Botschaft für ihr eigenes Leben heißt - nur halt eben anders, als das vielleicht zu früheren Zeiten geschah. Über die Generationen und Kulturen hinweg und quer durch die Kirche wird das wohl immer eine große Herausforderung bleiben. Diese große Dynamik - die gilt es auszuhalten. Das ist manchmal nicht leicht, aber es ist spannend.

Was das für jeden einzelnen Christen heißt, das formuliert die heutige zweite Lesung in schönen und beeindruckenden Worten: „Lasst euch als lebendige Steine aufbauen zu einem geistigen Haus!“

Wir Christen, die wir zu Bausteinen dieser Kirche berufen sind, dürfen mit unserem je eigenen Christsein der Kirche und unserer Pfarrgemeinde ihre Form geben. Je mehr interessante Bausteine sich einbauen lassen, desto besser - zur Ehre Gottes und immer und vor allem zum Dienst an seinen Menschen. Amen.

Aus dem Evangelium nach Johannes (14, 1-12)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.

Predigtgedanken

Es gibt Situationen, die können uns ganz schön fordern, manche Ereignisse sind eine Zumutung, manche Entwicklungen in der Welt verwirren uns. Persönliches Unglück oder eine Krankheit, Leid und Tod in unserer näheren Umgebung gehören genauso dazu wie Verblendung und Fanatismus, Gewalt und Terror, Krieg und Bürgerkrieg auf dieser schönen Erde. Und als würde das Ganze nicht schon reichen, nun also auch noch die Coronakrise, eine Pandemie, die unsere ganze Welt erfasst hat und alle Menschen gleichermaßen bedroht. Ja, das alles kann uns ganz schön erschrecken.

Doch da sagt Jesus im Evangelium dieses fünften Sonntags der Osterzeit: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren, glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Jesus diese Worte nur so als billige Vertröstung gesagt hat, sondern er war wohl im tiefsten davon überzeugt, dass am Ende tatsächlich alles gut wird. Er lebte aus einem festen Vertrauen in Gott und er glaubte daran, dass sein Leben und das Leben aller Menschen im Tiefsten gehalten ist von seiner grenzenlosen Liebe. „Urvertrauen“ nennt das die Psychologie.

Dieses Urvertrauen in das Leben lernen wir von Kindesbeinen an, gerade in den ersten Jahren des Lebens. Gerade dies ist eine der wesentlichsten Aufgaben der Erziehung. Babys lernen Vertrauen durch vertrauenswürdige Eltern. Kinder und Jugendliche lernen Vertrauen durch eigene Schritte, die liebevoll begleitet werden durch die Erfahrung: meine Eltern sind, egal was da kommt, immer für mich da. Dieses Vertrauen brauchen wir. Ohne Vorschuss an Vertrauen wird das Leben geprägt sein von Ängsten und Verzweiflung. Zweifel wird und darf es geben, auch Jesus kannte sie, aber in diesen Zweifeln wieder offen zu werden für neues Vertrauen, darauf kommt es an, wenn Leben gelingen soll.

Verwirrung und Kopflosigkeit helfen nicht weiter, keine Panik und auch kein blinder Aktionismus, aber Vertrauen in Gott und Vertrauen in das Leben können uns Kraft schenken, durchzuhalten, auszuhalten und die Dinge zum Besseren zu bewegen. Unsere Mütter, die wir an diesem Sonntag ehren, sind solche Menschen, die das Vertrauen ihrer Kinder ins Leben behüten. Sie tun es durch ihr Dasein und ihre Verlässlichkeit - wie auch die Väter. Dafür gebührt ihnen unser aller Dank!

Ihr und Euer Pfarrer Georg Klar

Noch ein Text zum Nachdenken

Kraft zum Unterwegssein wünsche ich dir -
auch mitten in deiner Ohnmacht und Trauer:
Gottes Bestärkung in deinem Leben.

Mut zur Versöhnung wünsche ich dir -
auch mitten im Unfrieden dieser heillosen Welt:
Gottes Wohlwollen in deinem Leben.

Grund zur Hoffnung wünsche ich dir -
auch mitten in dem, was dir die Hoffnung raubt:
Gottes Licht in deinem Leben.

Vertrauen zum Miteinander wünsche ich dir -
auch mitten in den Fragen dieser Zeit:
Gottes Verheißung, sein Volk zu sein.

Begeisterung zum Aufbruch wünsche ich uns -
auch mitten in bewegten Zeiten für unsere Kirche:
Gottes Wegbegleitung und seinen Frieden.

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