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Liebe Buben und Mädchen, meine lieben Schwestern und Brüder!

Nein, ich beginne die Predigt nicht bei Putin und seinem Angriff auf die Ukraine. Ich beginne meine Predigt bei uns, der Kirche. „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?“ Diese Frage aus der Bergpredigt bei Lukas stellt Jesus nicht an irgendwen, er stellt sie an seine Jüngerinnen und Jünger, er stellt sie an uns, er stellt sie an die Kirche.

Seine Frage lautet heute vielleicht so: „Warum, Kirche, siehst du den Splitter im Auge der Anderen, im Auge der Gesellschaft und der Welt, aber den Balken in deinem eigenen Auge, liebe Kirche, bemerkst du nicht?“ Oder auch diese Frage: „Warum glaubst du, Kirche, über Andere moralisch richten zu können, wo es doch so viel Unmoralisches in deinen eigenen Reihen gibt?“ Oder, gerade heute, auch die Frage: „Warum, Kirche, scheinst du zum Frieden aufrufen zu können, wo es in deiner eigenen Vergangenheit so viel Unfrieden gegeben hat und Unfrieden von dir ausgegangen ist?“ Fragen über Fragen.

In der Tat, wir spüren es: die Kirche ist keine Kirche der Heiligen, eher eine Kirche der Sünder, wie sie es ja auch von sich selbst in ihrer eigenen Tradition bekennt. Aber eben weil sie das ist, darf sie sich und soll sie sich mit allen Menschen vereinen, die sich ihrer eigenen Schwäche und Fehlerhaftigkeit bewusst sind und die darum wissen, dass sie der Erlösung bedürfen, mit all den Menschen, die Befreiung brauchen von Überheblichkeit, Ignoranz und Machtspielen und die bereit sind zu wirklicher Erneuerung.

Theo Brüggemann hat dazu einen Text geschrieben, den ich mit Euch teilen möchte. Er trägt die Überschrift „Blickschärfung“:

Gott, du warnst uns vor Leichtgläubigkeit,
vor blindem Glauben, blinder Liebe, blindem Gehorsam.
Nicht überall bist du, wo man deinen Namen gebraucht.
Nicht überall ist Liebe, wo man freundlich tut.
Nicht überall ist Gerechtigkeit, wo sie auf dem Papier steht.
Wie viel Blut ist schon geflossen - auch in deinem Namen!
Was haben Christen in deinem Namen getan
an Juden und Täufern, an Bauern und Arbeitern!
Was für fatale Paarungen in deinem Namen
von Thron und Altar, von Kapital und Kirche!
Talare und Kanzeln und Liturgien schützen uns nicht davor,
heute Opfer neuer Ideologien zu werden von rechts, von links.

Jesus, Bruder, der du allein die Wahrheit bist,
gib uns den Geist, der die Geister scheidet,
den Blick für das Echte und das Falsche,
das Menschliche und das Unmenschliche,
das oft zum Verwechseln ähnlich ist.

Steh du mit deiner Gnade denen bei,
die bei den Menschen in Ungnade fallen,
weil es ihnen um Menschen geht, nicht um Parolen.
Du erwartest Früchte von uns,
Früchte deiner Tat, die du für uns getan hast,
Früchte deiner Liebe, mit der du an uns leidest.

Hilf uns, dich neu und besser zu verstehen,
auch aus dem Reden und Tun derer,
die deinen Namen nicht mehr über die Lippen bringen,
weil wir ihn zu lange missbraucht haben.
Hilf uns aufhören, uns auf unsere guten Taten zu berufen,
wenn du neue und bessere Taten erwartest.
Du bist unser Richter, der du unser Retter bist,
aber auch der Retter der Andern.

Lass uns dir nicht mehr im Wege stehen,
wenn du auf dem Weg bist zu deiner Welt.
Gib uns das Wort und die Tat, die heute fällig ist.
Gib uns die Glaubwürdigkeit des Redens,
das durch unser Verhalten gedeckt ist.
Es geht um dich und deinen Namen,
weil es dir um uns und unsere Schwestern und Brüder geht.

Liebe Schwestern und Brüder, wir dürfen, ja, wir sollen also vom Frieden reden und auch von der Gerechtigkeit, aber wir sollten bei uns selbst damit anfangen. Daran werden wir gemessen. Wir dürfen und wir sollen diesen Krieg in der Ukraine als genau das benennen, was er nun einmal ist, nämlich ein Angriff, ein Angriff auf ein freies Land und aus seine Menschen, ein Angriff auf die Freiheit und Selbstbestimmung eines Volkes. Aber wir müssen eben auch die Freiheit und Selbstbestimmung der Gläubigen in der Kirche genauso achten und beschützen. Diese Aufrichtigkeit schulden wir der Welt - wie auch das Wort vom Frieden.

Und so teile ich am Ende meiner Predigtgedanken mit Euch ein Gedicht von Kurtmartin Magiera, das mir aus der Seele spricht. Es heißt: „Friede ist möglich.“

Auf ein Wort, ihr Christen:
Die Welt hat eine Frage.
Die Welt kann nicht warten.
Die Welt braucht eine Antwort.
Die Welt stirbt am Krieg!

Herr, gib uns den Mut zur Antwort.
Die Antwort heißt: FRIEDE!
Und Friede ist möglich.

Friede konkret:
Tun, was man kann

Den ersten Platz nicht begehren.
Die Drohung nicht aussprechen.
Den Freund nicht verraten.
Den Gegner nicht verhöhnen.
Den Eigennutz unterordnen.
Das Trennende ausräumen.
Die andere Meinung achten.
Den Schlag nicht zurückgeben.
Die Beleidigung zurücknehmen.
Den Krieg ächten.
Auf Ausgleich drängen.
Den ausgebrochenen Krieg beenden.
Nachteile in Kauf nehmen.
Unrecht verabscheuen.
Guten Rat annehmen.
Tun, was man kann!

Herr, gib uns den Mut zur Antwort.
Die Antwort heißt FRIEDE!
Und Friede ist möglich.

Amen.

Meditation nach der Kommunion

Wir beten mit dem heiligen Franz von Assisi >>>

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens:
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten:
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Amen.

Vier Gebete um Frieden in der Ukraine und überall

Friedensgebet des Franz von Assisi >>>

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens:

dass ich liebe, wo man hasst;

dass ich verzeihe, wo man beleidigt;

dass ich verbinde, wo Streit ist;

dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;

dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;

dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;

dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;

dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

 

Herr, lass mich trachten:

nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;

nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;

nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

 

Denn wer sich hingibt, der empfängt;

wer sich selbst vergisst, der findet;

wer verzeiht, dem wird verziehen;

und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Amen.

Ökumenisches Friedensgebet 2022 >>>

 Gütiger Gott, wir sehnen uns danach,

miteinander in Frieden zu leben.

 

Wenn Egoismus und Ungerechtigkeit überhandnehmen,

wenn Gewalt zwischen Menschen ausbricht,

wenn Versöhnung nicht möglich erscheint,

bist du es, der uns Hoffnung auf Frieden schenkt.

 

Wenn Unterschiede in Sprache,

Kultur oder Glauben uns vergessen lassen,

dass wir deine Geschöpfe sind und dass du uns

die Schöpfung als gemeinsame Heimat anvertraut hast,

bist du es, der uns Hoffnung auf Frieden schenkt.

 

Wenn Menschen gegen Menschen ausgespielt werden,

wenn Macht ausgenutzt wird, um andere auszubeuten,

wenn Tatsachen verdreht werden, um andere zu täuschen,

bist du es, der uns Hoffnung auf Frieden schenkt.

 

Lehre uns, gerecht und fürsorglich miteinander umzugehen

und dem Hass und der Vergeltung zu widerstehen.

 

Schenke uns mutige Frauen und Männer,

die die Wunden heilen, die Hass und Gewalt

an Leib und Seele hinterlassen.

 

Lass uns die richtigen Worte, Gesten und Mittel finden,

um den Frieden dauerhaft zu fördern und zu bewahren.

 

In welcher Sprache wir dich auch

als „Fürst des Friedens“ bekennen,

lass unsere Stimmen laut vernehmbar sein

gegen Gewalt und gegen Unrecht -

und für den Frieden.

 

Amen.

Fürbitten >>>

Lasst uns beten zum Gott und Vater aller Menschen, der allein die Welt zum Frieden führen kann:

Für die Menschen in der Ukraine, die in großer Angst vor noch mehr Krieg und Gewalt in ihrem Land leben: um Hoffnung und Kraft in ihrer Bedrängnis.

Für die christlichen Kirchen in der Ukraine: um den Geist der Zuversicht, damit sie gemeinsam den Menschen aus der Kraft des Evangeliums beistehen.

Für alle, die in und unter den Völkern Einfluss haben und Macht ausüben: um den Geist der Friedfertigkeit und Versöhnung und um Ehrfurcht vor dem Leben und Gewissen jedes Menschen.

Für alle, die die Folgen von Krieg, Terror und Gewalt, von Hass, Vergeltung und Unfrieden am eigenen Leib verspüren müssen: um ein Ende ihrer Leiden.

Für alle, die in ihren Familien Streit und Zwietracht erleben: um die Gnade, das Geschenk seines Friedens anzunehmen und es weiter zu schenken.

Für uns, die wir allein oft hilflos sind gegenüber der Bedrohung unserer Welt: um den Beistand Gottes, um die Hellhörigkeit für seinen Anruf und um die Kraft zum Frieden mit allen Menschen.

Denn du, o Gott, trägst das All durch dein machtvolles Wort. Auf dich und auf die Kraft deines Geistes setzen wir unser ganzes Vertrauen. Dir sei Lob und Dank durch Christus, unseren Bruder und Herrn, jetzt und in Ewigkeit.

Amen.

Vater unser im Himmel…

Gegrüßet seist du, Maria…

 

Friedensgebete mit Kindern >>>

Jesus,

der du uns so viel Liebe gegeben hast,

gib uns die Fähigkeit, dich noch mehr zu lieben.

Gib uns die Kraft, immer wieder unser Bestes zu geben,

damit es mehr Frieden und Liebe in der Welt gibt.

Hilf allen, die leiden, und, bitte, beschütze alle, die uns lieben. Amen.

 

Lieber Gott,

du hast die Menschen geschaffen,

jeden mit einem anderen Gesicht und mit anderen Gedanken;

und du willst, dass wir in Freundschaft und Frieden leben.

Gib uns deinen Frieden.

Amen.

 

Guter Gott,

schenke uns Frieden hier und auf der ganzen Welt.

Wir Kinder brauchen vor allem Frieden und Liebe.

Wir wollen keinen Krieg und wir wollen nicht,

dass Familien auseinandergerissen werden.

Wir wollen mit allen in Frieden leben. Amen.

 

Lieber Gott,

Krieg ist etwas ganz Schreckliches:

Kinder und Erwachsene werden getötet,

Häuser kaputt gemacht, Straßen und Felder zerstört.

Viele müssen aus ihrer Heimat fliehen und leiden Hunger.

Doch weder Krieg noch Frieden fallen vom Himmel.

Wir Menschen müssen lernen,

uns zu vertragen und uns nicht zu bekämpfen.

Lieber Gott, las uns Frieden machen, nicht Krieg.

Gott, gib uns deinen Frieden.

Amen.

Predigtgedanken

Liebe Buben und Mädchen, meine lieben Schwestern und Brüder! Als Jesus damals durchs Land zog, da waren viele Menschen von ihm begeistert und suchten immer wieder seine Nähe. Denn er hatte tröstende Worte, die aufrichteten, und eine liebenswürdige Art, die anziehend wirkte und Menschen in seine Nähe lockte.

Was jedoch wohl niemand von den Verehrern Jesu vorausahnte, das geschah dann eines Tages. Jesus hält eine bemerkenswerte Rede, die die Menschen doch ziemlich erschrecken lässt. Jeder der Anwesenden wird gespürt haben: Jesu Anforderungen und Erwartungen würden sie nie und nimmer vollbringen können. Zu abgehoben, zu radikal erscheinen sie. In manchen Anwesenden werden etwa solche Gedanken aufgestiegen sein:

Ist es denn nicht schon eine Leistung, wenn ich Gutes, das man mir getan hat, erwidere, oder wenn ich nicht handgreiflich werde denen gegenüber, die mich beschimpfen oder bloßstellen, oder wenn ich es unterlasse, mit einer saftigen Ohrfeige zu antworten, obwohl der andere sich getraut hat, mir unverfroren einen Schlag ins Gesicht zu versetzen?

Die Forderungen Jesu ließen auch darum besonders aufhorchen, weil es im Judentum bereits eine ganze Reihe von Regeln gab, die ein gutes Miteinander förderten. Da gab es zum Beispiel den Grundsatz: Auge um Auge, Zahn um Zahn! Diese Vorschrift war aber nicht ein Aufruf zum Zurückschlagen. Ganz im Gegenteil.

Die Vorschrift forderte nämlich auf, Maß zu halten bei erlittenem Unrecht und schützte vor allem den schwächeren Partner. Wenn jemand zum Beispiel ein Schaf gestohlen hatte, dann durfte der andere nicht Rache nehmen und aus der Position des Stärkeren einen Esel zurückverlangen. Oder war bei Handgreiflichkeiten ein Auge verletzt oder ein Zahn ausgeschlagen worden, dann durfte dem Täter dafür nicht eben mal die Hand abgeschlagen werden. Maßhalten war also das Ziel und Anliegen dieser Bestimmung. Also das genaue Gegenteil von Rache und Vergeltung.
Ebenso gab es Regeln für Menschen, die miteinander verfeindet waren, um die Spannung zwischen ihnen nicht endlos ausufern zu lassen, sondern abzubauen. Schon im Buch Exodus wird zur Barmherzigkeit gegenüber dem persönlichen Feind aufgerufen. Dort heißt es: „Wenn du dem verirrten Rind oder Esel deines Feindes begegnest, dann sollst du ihm das Tier zurückbringen!“ Oder: „Wenn du siehst, wie der Esel deines Feindes unter seiner Last zusammenzubrechen droht, dann schau nicht hämisch zu, sondern leiste Hilfe!“ Ein jeder Jude verstand: diese geforderte Hilfeleistung im Blick auf die Tiere, sie sollte als Chance genutzt werden, Spannungen abzubauen und sich wieder versöhnlich zu begegnen.

Der Aufruf Jesu und seine radikalen Forderungen mögen manche Zuhörer zunächst vielleicht erschreckt haben; aber jeder begriff bei anschließendem und ruhigem Nachdenken das Anliegen, das in den Forderungen Jesu enthalten war, nämlich ein neues, gutes Miteinander der Menschen möglich zu machen.

Jeder soll sich bewusst werden: Das erfahrene Gute mit eigenem Gut-Sein zu erwidern, das ist ein schönes und auch lobenswertes Verhalten. Aber es bleibt im Austausch hängen: „Gibst du mir, dann geb ich dir.“ Einen Schritt weiter zu wirklicher Liebe wollte Jesus die Menschen führen und ein Nachdenken in Gang setzen: Durch welches Verhalten meinerseits würde sich der andere wohl freuen? Wo wir darauf bedacht sind, uns aufmerksam, liebevoll, und wohlwollend dem anderen zuzuwenden, da übersteigen wir das „Gibst du mir, dann geb ich dir.“ Da wird uns sicherlich vieles einfallen, womit wir andere beglücken, ihnen helfen, sie trösten, sie aufrichten und unterstützen können.

Jesus hatte genügend Menschenkenntnis, um zu wissen, dass ein anderer, ein guter Umgang mit den Menschen, die uns Unrecht taten, die besondere Herausforderung an uns ist. Auf Gutes mit Gutem zu reagieren, ist vielleicht nicht besonders schwer; aber auf bitter Erlittenes ein sich Rächen zu unterlassen, das kostet oft ganz viel Kraft.
Jesus schlägt dazu als Hilfe ein Nachdenken über Gott vor. Denn er sagt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ Gott ist unendlich barmherzig. Von ihm sollen wir uns als seine Ebenbilder berühren lassen. Denn wir selbst erfahren doch ganz persönlich jeden Tag neu Gottes Güte und Barmherzigkeit. Und die Güte Gottes soll uns eben Vorbild sein. Sie wird uns bewegen und helfen, jede Form von Rache-Nehmen zu unterlassen.

Jesus weiß dabei natürlich, dass wir Menschen unsere Grenzen haben. Aber er weiß auch, dass wir ganz oft nicht bis an unsere Grenzen gehen. Uns zu überfordern, das liegt Jesus fern. Aber er will, dass wir es nicht einfach bei der Bewunderung oder bei der Anbetung Gottes belassen. Wir sollen vielmehr Gottes Verhalten übernehmen - so wie dies Jesus auch getan hat. Und wie das in der Praxis möglich ist, hat er am Beispiel der Liebe aufgezeigt. Denn die Krönung der Liebe liegt in der Barmherzigkeit, die auf jede Form von Vergeltung und Rache verzichtet.

Würde Jesus heute vor uns stehen und zu uns sprechen, dann wäre seine Aufforderung an uns wohl die: Überprüfe dich immer wieder einmal, ob du deiner eigenen dir möglichen Liebe nicht zu schnell Grenzen setzt - besonders im Blick auf deine Gegner oder all jene, die dir unsympathisch sind. Könntest du in so manchen Punkten die Liebe nicht vielleicht doch umfassender und weiter leben? Und er würde vielleicht hinzufügen: Verwirkliche dich im Gut-Sein! Denn genau das dient dir am Ende schließlich zu deiner eigenen Freude! Amen.

Meditation nach der Kommunion

Frieden meint Versöhnung >>>

Nicht berechnend sein in der Liebe,
möglichst alles begrüßen, was uns begegnet -
auch das, was uns zunächst fremd erscheint.

Nicht trennen zwischen Freund und Feind,
immer wieder an das Gute im Andern glauben -
und immer neu die Versöhnung suchen.

So ganz und gar im Sinn unseres Vaters,
sein Kind sein - du und ich -
wie alle seine Kinder auf dieser Erde.

Predigtgedanken 3. Sonntag i.J. (C)

Predigtgedanken 2. Sonntag i.J. (C)

Predigt_Fest_der_Heiligen_Familie_2021.pdf

Wellenbrecher_-_Predigt_1_Weihnachtstag_2021.pdf

Flyer Familien Advent 2021 001

Predigt und Gottesdienst zum Erntedankfest 2021

Liebe Buben und Mädchen, meine liebe Schwestern und Brüder!

Wer gehört zu uns? Diese Frage ist so alt wie die Menschheit. Seit Menschen in Gemeinschaften und Gruppen, in Stämmen und Völkern zusammenleben, haben sie sich diese Frage gestellt: Wer gehört zu uns? Und wer gehört nicht oder noch nicht oder nicht mehr zu uns?

Auch in den biblischen Texten des heutigen Sonntags spüren wir diese Frage: Wer gehört eigentlich zu uns? Hinter dieser Frage steckt die Sorge, wir würden die Identität unserer Gemeinschaft verlieren, wenn auch „die anderen“ dazu gehörten: also jene, die anders aussehen, anders reden, eine andere Sprache sprechen, woanders herkommen, anders denken und fühlen, einer anderen Konfession oder gar anderen Religion angehören, die vielleicht andere Vorstellungen vom Leben oder Zusammenleben haben, einfach all jene, die „anders“ sind als „wir“.

Wer gehört zu uns? Wer soll und wer darf dazugehören? Immer wird diese Frage unterschiedlich beantwortet - auch in unserer Kirche. Wer gehört dazu? Gehören nur die zu uns, die regelmäßig in den Gottesdienst gehen, oder auch jene, die nur ab und zu kommen? Gehören nur die zu uns, die sich irgendwie bei uns in der Pfarrgemeinde oder Kirche engagieren (und dafür sind wir sehr dankbar!) oder auch jene, die sich damit eher zurückhalten? Gehören nur die zu uns, die Kirchensteuer zahlen, oder auch jene, die aus der Kirche ausgetreten sind?

Natürlich nicht alle, aber eben doch viele, die aus steuerlichen Gründen aus der Kirche austreten, fühlen sich dennoch weiterhin Gott und dem Glauben an ihn verbunden, sie versuchen, ihren Glauben im Alltag zu leben, sie engagieren sich für andere, sie tun ebenfalls oft Gutes und kommen dann und wann auch wieder zurück. Sollen wir ihnen am Ende ihres Lebens etwa wirklich ein christliches Begräbnis verweigern, nur weil sie ihre Kirchensteuer nicht mehr zahlen? Ich jedenfalls kann das nicht!
Und sollen wir sie wirklich einfach vom Empfang der Sakramente ausschließen? Noch immer muss ich bei einer Wiederaufnahme ein bischöfliches Dekret verlesen, dass nun die Exkommunikation zurückgenommen wird, eine Handlung, die mich jedes Mal mit Unbehagen erfüllt.

Den Kirchenaustritt festzumachen am Geld - ist es wirklich das, was Jesus uns raten würde? Zu den Aposteln sagt er jedenfalls: „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns!“ Dies führt wohl in eine andere Richtung. Damit wir uns nicht falsch verstehen, meine lieben Schwestern und Brüder: jeder Austritt aus unserer Kirche schmerzt mich und macht mich traurig, denn eben nur mit der finanziellen Unterstützung vieler Mitglieder kann unsere Kirche, kann auch unsere Pfarrgemeinde ihre vielen und auch vielfältigen Aufgaben in Gesellschaft und Welt erfüllen, gerade im sozialen Bereich, was doch wieder letztlich allen Menschen zugute kommt und zwar ganz unabhängig von ihrer Kirchenzugehörigkeit.

Das ist und war schon immer das Prinzip der Caritas, auch in der Caritas vor Ort, in Mainaschaff in unsrer Johannes-Gemeinschaft. Darum sind wir heute in der Kollekte eingeladen, für die Arbeit der Caritas das zu geben, was uns möglich ist. Und ich sage jetzt schon für Ihre Gabe ein ganz herzliches Vergelt's Gott - wie auch allen die Kirchensteuer und Kirchgeld bezahlen. Wir sind genauso darauf angewiesen wie die Menschen, die uns anvertraut sind.

Unsere Kirche muss jedoch bescheiden und demütig werden und dabei von jeder Art von Selbstherrlichkeit und übergroßem Stolz Abschied nehmen, damit nicht noch mehr Menschen der Kirche den Rücken kehren, weil sie nicht mehr glauben können, dass sich unsere Kirche erneuern kann und wirklich will. Wohin die Reise geht in unserer deutschen Kirche, das vermögen wir wohl noch gar nicht zu sagen. Das, was die Bischöfe uns Seelsorgern nahe legen, nämlich in Kontakt zu bleiben mit all jenen, die ihren Austritt erklären, das tun wir in unserer Pfarrgemeinde schon seit langem. Jedem einzelnen schreiben wir einen Brief und bieten das offene Gespräch über die Beweggründe an.
Eher seltener, aber eben doch zuweilen gibt es eine Antwort, per Email, per Brief oder auch im persönlichen Gespräch. Manchmal gibt es sogar ein Umdenken, stets aber wohl das Gefühl, nicht abgeschrieben zu sein, weil die Tür doch offen bleibt. Und dann und wann kommen Menschen zurück, weil sich ihre finanzielle Situation entspannt hat oder weil sie über einen Ärger oder eine Verletzung durch Mitglieder unserer Kirche hinweg gekommen sind. Und dann feiern wir in unserer Kirche jedes Mal ein kleines Fest.

Wer gehört zu uns? In den Augen Jesu wohl etliche mehr als wir glauben. Denn es kommt ja wohl vor allem darauf an, wie wir als Christen unser Christsein und wie die Menschen ihr Menschsein leben. An unserer Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit werden wir gemessen in dieser Gesellschaft. Darum gehören auch alle zu uns, die menschlich zu leben versuchen. Und auch jene, die die Kirche verlassen, aus welchen Gründen auch immer, für eine gewisse Zeit oder auch bis ans Ende ihres Lebens, sie bleiben Gottes Kinder. Und für uns bleiben sie darum unsere Schwestern und Brüder. Lasst uns das bitte niemals vergessen! Amen.

Pfarrer Georg Klar

Eine Kirche der Zukunft >>>

Ich träumte von einer Kirche,
zu der Menschen aller Rassen und Nationen gehörten,
viele Völker, Priester und Laien,
einfache Menschen und Gebildete -
nicht gegeneinander, sondern miteinander, füreinander.
In ihr waren die Worte "ich", "er", "sie", "ihr", "die" Fremdworte.
"Du" und "Wir", das war die Umgangssprache,
so gingen sie miteinander um.

Ich träumte von einer Kirche,
in der sich nicht einer vom anderen bedienen ließ,
sondern wo alle einander dienen wollten.
Da sprachen sie offen,
nicht übereinander, sondern miteinander,
brüderlich, nicht herrlich,
einfach so, weil's um die Sache Jesu ging.

Ich träumte von einer Kirche,
da überließen sie die Seelsorge nicht nur dem Priester,
da sorgten sich alle mit - alle für alle Menschen.

Ich träumte von einer Kirche,
in der schlug niemand auf den Tisch,
da schlugen alle auf die eigene Brust,
da wuschen sie sich nicht die Köpfe, sondern die Füße,
da war man ein Herz und eine Seele,
Salz, das die Welt genießbar macht,
eine kleine Herde, selbstbewusst und siegesgewiss,
Licht verbreitend in die Dunkelheit der Welt,
weil's um die Sache Jesu ging.
Und die Sache Jesu, das sei ihre Zukunft - sagten sie.
Ich erwachte - und ich sah eine Kirche,
in der vieles, fast alles, nicht so ist.
Ich verzweifelte, resignierte,
wollte zurück in meine Traumwelt -
da wurde ich belehrt:
"Dein Traum ist alt, 2000 Jahre alt,
aufgeschrieben von Markus und Matthäus,
Lukas und Johannes, Paulus und Petrus,
in vielen Kapiteln und Versen."

Und ich sah:
Mein Traum stand da geschrieben:
"Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe."
Und ich begriff:
Träume lassen leben,
für Träume lässt's sich leben.

(W. Schumacher)

Liebe Schwestern und Brüder!
In unserer Diözese wird derzeit viel von der „Pastoral der Zukunft“ gesprochen. Da werden Pastorale Räume umschrieben und das Gebiet, in dem wir unser kirchliches Leben gestalten und organisieren wird größer.

Leitete bisher ein Pfarrer eine Gemeinde, werden es immer mehr Gemeinden, für die er zuständig ist. Hauptamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen lernen, dass der Blick nicht an der Kirch-turmspitze endet. Das kirchliche Leben im Schatten mehrerer Kirchtürme will gesehen und gestaltet werden. Die PGR-Wahlen im kommenden Jahr werden auch schon in Zusammenarbeit mit den Nachbarpfarreien vorbereitet.

Es bewegt sich gerade viel in der „Pastoral der Zukunft“. Und es fordert von uns, von jeder und jedem einzelnen von uns viel ab. Es wird sich vieles ändern. Und doch, wird nicht alles neu. Dieser Text vom „Traum der Kirche“ ist mir schon vor vielen Jahren zugefallen. Und noch immer hat er an Aktualität nicht verloren.
Der Traum der geschwisterlichen Kirche:

Der Traum, dass es in der Kirche kein Oben und Unten gibt, auch wenn schon die Jünger sich damals darüber gestritten haben, wer der Größte unter ihnen sei,
der Traum, dass wir uns unserer Unzulänglichkeiten bewusst sind und im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit um Vergebung bitten können,
der Traum, dass wir alle - ob alt, ob jung, ob Frau, ob Mann, ob Hauptamtlich, ob Ehrenamtlich, ob alteingesessen, ob neu zugezogen,
der Traum, dass wir alle eine Gemeinde Jesu sind,
der Traum, dass Jesu Frohe Botschaft in unserm Tun und Reden lebendig wird - auch heute.

Vor 800 Jahren gab es auch schon einen, der diesen Traum geträumt und gelebt hat: Franziskus von Assisi. Nach einem Leben in Saus und Braus begann er nachzudenken, begann er zu erahnen, was es bedeutet : als Christ dem armen Christus zu folgen.

Er entdeckte, dass er Gott nicht bei den Reichen, den Großen, den Starken findet, sondern bei den Armen, bei den Kleinen, bei den Schwachen - bei denen, die die Hände leer und offen haben, nicht voll und festhaltend.

Er fand Jesus, den menschgewordenen Gott, im kleinen Kind von Betlehem und in dem Leidenden am Kreuz. Er fand ihn in den Menschen, die er Brüder und Schwestern nannte - und denen er selbst zum Bruder wurde. Seine Brudergemeinschaft nannte er den Orden der „fratrum minorum“ - der minderen Brüder.

Für meine Gemeinschaft, den Dillinger Franziskanerinnen, ist dieser Bruder Franziskus ein lebendiges Vorbild. Natürlich ist es nicht immer so einfach, solchem Vorbild nachzueifern. Gott sei Dank hat Franziskus am Ende seine Lebens zu seinen Brüdern und Schwestern gesagt: „Ich habe das meine getan. Was euer ist, möge euch Christus lehren.“
Franziskus sah sich selbst nicht als der große Macher, nicht als der, der genau weiß, wie Nachfolge geht. Er ist seinen Weg gegangen. Und er traut uns allen zu, uns Franziskanerinnen aber auch Ihnen, euch, jedem und jeder einzelnen, die sich von Jesus ansprechen lassen, den persönlichen Weg der Nachfolge zu gehen - offen, bereit und vertrauend wie das Kind, das Jesus in die Mitte stellt. Und dann kann etwas vom Traum lebendig werden. Jetzt, heute und hier. Denn wie heißt es am Ende dieses Traumes:

„Und ich sah: Mein Traum stand da - in der Bibel - geschrieben: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Und ich begriff: Träume lassen leben - für Träume lässt es sich leben!“

- Sr. Isabel Westphalen OSF -

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